Online-Weiterbildung
Akademie
VideoCampus
Produkte
Themen
Dashöfer

Willkommen im Clubhouse

18.02.2021  — Matthias Wermke.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Seit ein paar Wochen hört man es rumoren: Es scheint da einen neuen Player in den sozialen Medien zu geben. Doch während die einen sagen, das sei das nächste große Ding, stimmen andere schon wieder den Abgesang an. Aber was ist Clubhouse überhaupt?

Idee und Funktionsweise der viel diskutierten App sind denkbar einfach: Es handelt sich dabei um eine audiobasierte Plattform, auf der die Nutzer*innen Räume öffnen können, um dort über die Themen zu sprechen, die Ihnen auf der Seele liegen. Anders als bei Podcasts oder im Radio ist der entscheidende Unterschied, dass sich die Zuhörer*innen interaktiv zuschalten können und so eine Diskussion entsteht.

Wer kann mitmachen?

Anders als in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram herrscht bei Clubhouse eine gewisse Exklusivität, die der Titel wohl auch implizieren soll. Ein Club ist schließlich nichts, wo einfach jede*r mitmachen darf. Denn während der Download der App frei verfügbar ist, braucht man für die Anmeldung die Einladung eines Mitglieds. Das Prinzip der künstlichen Verknappung scheint, wie sich am großen Hype zeigt, zu greifen.

Um dieses Problem aber zu lösen, hat sich bei dem Messenger Telegram eine immer größer werdende Gruppe gebildet, in der sich Interessent*innen anmelden, um eine Einladung zu erhalten und dann ihre eigenen Einladungscodes wiederum folgenden Mitgliedern zur Verfügung zu stellen. So entsteht durch das Schneeballsystem eine exponentiell wachsende Anzahl an Nutzer*innen.

Anfänglich konnten zudem auch nur Apple-User*innen die App herunterladen. Eine Android-Version soll jedoch auch schon bald erhältlich sein.

Wozu wird die App genutzt?

In den USA wurde die App zunächst durch prominente Nutzer*innen wie Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey oder Rapper Drake besonders bekannt. In Deutschland sind es insbesondere Influencer*innen oder Menschen aus Politik und Wirtschaft, die die App als Plattform für ihr Anliegen nutzten. So wird in manchen Räumen über die neuesten Marketing-Strategien gesprochen, während in anderen Poliker*innen aus dem Nähkästchen plaudern.

Natürlich ließ auch der erste Shitstorm nicht lang auf sich warten. So erzählte der thüringische Landesherr Bodo Ramelow, dass er sich in der Konferenz der Ministerpräsident*innen gerne mal die Zeit mit Candy Crush vertreiben würde und gab der Kanzlerin zudem den Spitznamen „Merkelchen“. In der Folge musste er sich den Vorwürfen ausgesetzt sehen, dass er einerseits die Corona-Pandemie auf die leichte Schulter nehmen würde und andererseits Angela Merkel sexistisch herabgesetzt habe.

CDU-Shootingstar Philipp Amthor hingegen gab in der App Kritiker*innen Futter, die ihn süffisant als ältesten 28-Jährigen der Welt bezeichnen würden. In seinem Raum gab er das sogenannte Pommern-Lied zum Besten. Ob das nun unverfängliche Heimatverbundenheit oder doch eher einen Wink nach rechts bedeuten soll, liegt dabei jedoch im Ohre des Betrachters.

Wo ist das Problem?

An und für sich ist der Gedanke, miteinander im wahrsten Sinne des Wortes ins Gespräch zu kommen, ja ein sehr guter. Eine Plattform für Dialog und Austausch zu schaffen, ist durchaus sinnvoll, gerade da andere soziale Netzwerke eher einseitig funktionieren und zudem inhaltlich sehr verknappend wirken bzw. nur auf Text beschränkt sind.

Problematisch ist aber, dass in der App keine moderierende Instanz vorhanden ist, die z. B. rassistische oder sexistische Äußerungen unterbinden und im Nachhinein ahnden würde. Daher birgt Clubhouse, wie man es von anderen Anwendungen bereits kennt (an der Stelle sei die berühmtberüchtigte Querdenker-Telegram-Gruppe genannt), die Gefahr, dass kruden Theorien und Hass im Netz dadurch nur eine weitere, noch direktere Plattform gegeben wird, um sich zu vervielfältigen.

Ein weiteres Problemfeld ist, wie könnte es anders sein, der Datenschutz. So klagen Datenschützer*innen, dass es erstens keine Person als Datenschutzbeauftragte*n geben würde, die zweitens darüber aufklären könnte, wozu die Daten gesammelt würden, da keine klare Zwecksetzung vorliege. Außerdem fehlen Impressum und auf Deutsch übersetzte AGBs. Die App wird also den in Deutschland geltenden rechtlichen Standards nicht gerecht, was bereits Klagen folgen ließ.

Was wird aus Clubhouse?

Festzuhalten ist, dass im Clubhouse einiges an Sanierungsbedarf besteht. Denn eine App, die in Zeiten von Hatespeech, Trump und Hildmann nicht regulierend eingreift, wird den Anforderungen an ein soziales Netzwerk nicht gerecht. Auch datenschutzrechtliche Anpassungen sind dringend erforderlich.

Wenn diese Maßnahmen getroffen worden sind, bietet Clubhouse sicher eine tolle Plattform für den Austausch neuer Ideen oder einfach nur Unterhaltung. Ob das jedoch tatsächlich jemals passiert, wird in einem anderen Raum besprochen.

Kennen Sie schon unseren neuen News­letter Digitalisierung aktuell?

nach oben