Sharing is caring – Networking mit der Methode "Working Out Loud"

14.08.2019  — Lukas Haß.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Vernetzung, kultureller Wandel und Agilität sind alles Begrifflichkeiten, die uns in Zeiten des digitalen Wandels und der globalisierten Welt zunehmend häufig begegnen. Wie hilfreich wäre da eine Methode, die die Vernetzungskompetenz eines jeden Mitarbeitenden stärkt? An dieser Stelle kommt die Methode von Working Out Loud (WOL) ins Spiel.

Die neue Herangehensweise: Was ist Working Out Loud?

Working out was? Nein, hierbei geht es weder um ein neues Trimm-Dich-Programm eines aufstrebenden Fitness-Gurus noch darum, die eigene Arbeit möglichst laut zur Schau zu stellen. In erster Linie geht es bei WOL darum, das eigene Wissen und die eigene Arbeit sichtbar zu machen, damit alle im Netzwerk davon profitieren können.

Working Out Loud ist eine einfache Methode, um relevante Arbeitsbeziehungen aufzubauen, die dabei helfen, ein Ziel zu erreichen oder neue Themen zu entdecken. (John Stepper)

Erstmals tauchte der Begriff in einem Blog-Eintrag von Bryce Williams im Jahr 2010 auf, bevor das Grundprinzip durch den US-Amerikaner John Stepper immer weiter verfeinert und letztendlich 2015 in seinem Buch „Working Out Loud: For a better career and life“ perfektioniert und für die breite Masse greifbar gemacht wurde. Der primäre Gedanke hinter der Vernetzungsstrategie: Das eigene Wissen soll nicht mehr (nur) zum eigenen Vorteil genutzt werden, sondern vielmehr sollen die eigenen Ressourcen auch anderen zur Verfügung gestellt werden. Doch wie entsteht einem hier der Vorteil? Ganz einfach – durch den regelmäßigen Austausch mit anderen Teilnehmer entstehen langfristige Beziehungen, die einem dabei helfen, die selbst gesetzten Ziele (ganz gleich ob beruflicher oder privater Natur) zu erreichen.

Das hört sich zunächst recht trivial und theoretisch an, doch ist WOL viel mehr als das. Die Arbeit soll offener, freigiebiger und vernetzter werden. Wie funktioniert das also in der Praxis?

Die neue Herangehensweise: Was ist Working Out Loud?

Von der Theorie in die Praxis: So funktioniert ein WOL-Zirkel

  1. Beziehungen

    Ziel ist der Aufbau einer nachhaltigen Beziehung, indem man ohne Erwartungen an das Gegenüber etwas Sinnvolles beiträgt

  2. Großzügigkeit:

    Man teilt sein Wissen mit anderen. Ziel ist die Stärkung des Netzwerks, weniger der Eigennutzen

  3. Sichtbare Arbeit:

    Die eigene Arbeit wird offengelegt, aber wieder unter der Prämisse, dass die Arbeit als wichtiger Beitrag für das Netzwerk dienen soll

  4. Zielgerichtetes Entdecken:

    Jedes Mitglied verfolgt eigene Ziele, daher wird sich hier gefragt: Welche Ressourcen benötige ich und welche habe ich bereits, um meinem Ziel näherzukommen?

  5. Wachstumsorientiertes Denken:

    Durch den stetigen Austausch eröffnen sich immer neue Ideen und Möglichkeiten, auf die man möglicherweise allein nie gekommen wäre

Von diesen fünf Grundprinzipien ausgehend trifft man sich nun in einer kleinen Gruppe von maximal fünf Personen, den sogenannten "Circles", über eine Dauer von zwölf Wochen für eine Stunde. Bei diesen Treffen, sei es über Skype oder auch ganz gemütlich bei einem Teilnehmer zum gemeinschaftlichen Abendessen, arbeitet jedes Mitglied mit Hilfe der Gruppe an der Verwirklichung der eigenen Ziele, ohne diese selbst zu priorisieren.

Das besonders Interessante an diesen Zirkeln ist die Möglichkeit eines bunt zusammengemischten Haufens. Egal, ob ein Teilnehmer in der Unternehmens-Hierarchie eher unten stehendt oder ein Vorstandsvorsitzender ist; ganz gleich, ob aus Landwirtschaft oder dem Bereich der Raumfahrt: Jedes Mitglied kann dabei helfen, den anderen bei der Erreichung ihrer Ziele zu fördern und neue Denkanstöße zu geben.

Ein Modell für die Zukunft

Große Unternehmen wie Bosch, Siemens oder Daimler setzen bereits erfolgreich auf die Methode WOL. Dort wurde bereits erkannt, dass mit der Digitalisierung neue Arbeitsmodelle, Strukturen und ein passendes Mindset einhergehen müssen. Denn ohne funktionierende Netzwerke und Kollaborationen kann keine Innovation entstehen. Working Out Loud liefert den Werkzeugkasten, um Vernetzungskompetenzen zu erlernen und zu nutzen.

In jedem Fall hat WOL das Potenzial, veraltete Business-Netzwerke in den Schatten zu stellen. Die (Arbeits-)Beziehungen, die in den Zirkeln entstehen, sind nicht nur von nachhaltiger Natur, sondern sind zusätzlich von aufrichtiger Wertschätzung und Interesse geprägt. Durch die neuen Möglichkeiten des Austauschs und der Zusammenarbeit, auch über Hierarchien und Arbeitsbereiche hinweg, entsteht eine Unternehmenskultur, die nicht nur offener und innovativer wird, sondern sich vielmehr zu einem Unternehmen entwickelt, das den Anforderungen unserer digitalen Welt gerecht wird. Wen verwundert es da, dass die neue Vernetzungs-Methode für viele eine neue Lebenseinstellung darstellt, die das gesamte berufliche (und auch private) Leben umkrempelt.

So treten Sie einem WOL-Zirkel bei

Wer Interesse daran hat, an einem WOL-Zirkel teilzunehmen oder auch nur reinschnuppern möchte, der findet mittlerweile eine hohe Anzahl an Gleichgesinnten. Im Unternehmen selbst kann entweder das firmeninterne ESN (Enterprise Social Network) genutzt oder die Verantwortlichen bzw. Vorgesetzten angesprochen werden.

Die wohl schnellste Möglichkeit für eine Teilnahme an einem WOL-Zirkel im privaten Bereich bietet die WOL-Facebookgruppe mit momentan (Stand 14.08.2019) knapp 4.000 Mitgliedern. Wer Facebook nicht nutzen möchte oder kann, wird auch bei Xing oder auf Linkedin fündig.

Doch nicht nur im Netz, auch direkt und ganz analog vor Ort kann man fündig werden. Viele größere Städte bieten neuerdings WOL-Meetups an, bei denen Menschen zusammenkommen, um sich über New Work und Innovationen auszutauschen und eventuell sogar einen neuen WOL-Zirkel zu initiieren.

Falls Sie das Thema rund um die Methode Working Out Loud interessiert, können Sie sich auf der offiziellen Seite von WOL weiter informieren und dort den Leitfaden als PDF herunterladen.

Quellen und Hintergründe:

Bild: rawpixel.com / Pexels (Pexels Lizenz)

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