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Notre-Dame – Das neue Gesicht der alten Dame

16.05.2019  — Lukas Haß.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Vor einem guten Monat, am 15. April diesen Jahres, hielten nicht nur viele Franzosen, sondern auch ein Großteil der Weltbevölkerung den Atem an, als das 850 Jahre alte Dach der Pariser Kathedrale Notre-Dame lichterloh in Flammen stand. In den Medien ist es seitdem stiller geworden um den Verbleib des kulturhistorischen Denkmals in Frankreich. Wie geht es also weiter?

Kaum waren die letzten Flammen gelöscht, wurde auch schon darüber diskutiert, ob ein Wiederaufbau überhaupt zu bewerkstelligen sei und wie ein solcher aussehen könne. Nachdem die gesamten Schäden, die hauptsächlich den zur Gänze abgebrannten Dachstuhl betrafen, erfasst worden waren, steht nun fest: Es wird einen Wiederaufbau geben. Zwei der wichtigsten Faktoren sind die Finanzierung und die Konzept-Entwürfe für die Restaurierung.

(K)eine Frage des Geldes

Die Frage nach der Finanzierung scheint zumindest geklärt zu sein. Denn kaum war der erste große Aufschrei beim Brand des Denkmals verebbt, folgte wenige Tage später schon der zweite: Mehr als 850 Millionen Euro wurden weltweit für einen Wiederaufbau gespendet, Tendenz steigend. Größtenteils gestiftet von den drei französischen Groß-Unternehmerfamilien Arnault, Pinault und Bettencourt-Meyer. Zunächst klingt das natürlich nach einem löblichen Unterfangen,das jedoch mit einem faden Beigeschmack behaftet ist. Kritik an der schnellen Bereitstellung der Spendengelder machte sich nicht nur in Frankreich breit, sondern führte auch in der restlichen Welt zu einer ethischen Grundsatz-Diskussion: Wenn ein solch großer Betrag für den Wiederaufbau eines Gebäudes in einem solch kurzen Zeitraum gespendet werden kann, warum passiert das nicht auch für die unzähligen Menschen, denen man mit nur einem Bruchteil dieser Summe das Leben retten könnte?

Tradition vs. Moderne vs. Politik

Der zweite Faktor bringt nun auch die französische Regierung, insbesondere das Kulturministerium, in die Bredouille. Präsident Emmanuel Macron hatte angekündigt, die Kirche schnellstmöglich wieder instand zu setzen. Eine Sache des Prestiges, besonders im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2024.

Seitdem ist ein Kampf um den Wiederaufbau entbrannt. Wie hat Notre-Dame auszusehen? Traditionalisten befürworten eine Rückkehr zum Alten, zum Original. Wohingegen Modernisierer die futuristisch anmaßenden Pläne moderner Architekten präferieren. Soll die Basilika originalgetreu restauriert werden oder soll die Moderne in der französischen Metropole Einzug halten? Architekturbüros aus aller Welt buhlen um einen Zuschlag für ihre Ideen eines Wiederaufbaus: Von avantgardistischen Glasdächern, die einem botanischen Garten gleichen, bis zum Dach aus Kirchenfenstern. Selbstverständlich möchte auch die Ökobewegung mitmischen. Dem Vorschlag, den Dachstuhl mit einem Wald aus Bäumen anzusiedeln, werden jedoch weniger Chancen zugerechnet. Der Fantasie und Kreativität sind anscheinend keine Grenzen gesetzt.

Einen kleinen Vorteil haben die Modernisierer nun auf ihrer Seite: In einer hitzigen Debatte der Nationalversammlung wurde ein Sondergesetz verabschiedet, welches der Regierung erlaubt, geltende Denkmal-, Urbanismus- und Umweltschutzbestimmungen zu unterlaufen, um bei den Renovierungsmaßnahmen mehr Spielraum zu haben.

Denkmalschützer warnen zudem vor Hektik und unbedachtem Aktionismus. Der Politik ist es jedoch ein wichtiges Anliegen, dass das prestigeträchtige Objekt seinen Besuchern wieder schnellstmöglich ein Staunen entlocken kann. Hier einen gemeinsamen Nenner zu finden, erweist sich als sehr schwer. Klar ist also, dass im Moment nichts klar ist.

Wie das neue Gesicht des altgotischen Prachtbaus schlussendlich aussehen wird, kann noch nicht geklärt werden. Fest steht jedoch, gänzlich unabhängig von der Entscheidung der Entscheider: Die wiederaufgebaute Notre-Dame wird die Bevölkerung spalten. Früher oder später.

Quellen und Hintergründe

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