Kreativität als Methode: Design Thinking

13.06.2019  — Jasmin Dahler.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Design Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten. Gemeinsam entwickeln sie eine Fragestellung, welche die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigt. Das Verfahren orientiert sich an der Arbeit von Designern, die als eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen verstanden wird.

Design Thinking wurde als Konzept zur kreativen Problemlösung von David Kelley, Terry Winograd und Larry Leifer entwickelt. Das Konzept zielt darauf ab, unterschiedliche Erfahrungen, Meinungen und Perspektiven mit in eine Lösung einzubeziehen.

Der Ansatz des Design-Thinking geht davon aus, dass Innovation nur durch die gleichberechtigten Faktoren Mensch (Erwünschtheit), Technologie (Machbarkeit) und Wirtschaft (Tragfähigkeit) entstehen kann. Idealtypisch werden zuerst Daten über die Zielgruppe gesammelt. Aus diesen Daten werden die ersten Ideen generiert, aus denen wiederum schnell Prototypen erstellt und getestet werden. Dabei geht es weniger um eine perfekte Ausarbeitung als vielmehr um Experimente, um neue Einsichten zu sammeln.

Jeder Design Thinking-Prozess benötigt ein Team, welches sich aus verschiedenen Disziplinen, Abteilungen und Hierarchieebenen zusammensetzt. Durch diese Vielfalt sollen verschiedene Blickwinkel und Erfahrungen in den Prozess mit einfließen. Zusätzlich sollten die Mitglieder des Teams bestimmte Eigenschaften mit sich bringen und ein sogenanntes T-Profil besitzen. Dabei steht der vertikale Balken für das fachspezifische und analytische Wissen aus der jeweiligen Disziplin. Der horizontale Balken steht für die Neugier und Offenheit, sich mit anderen Disziplinen sowie anderen Menschen auseinandersetzen und die Fähigkeit, das eigene Fachwissen in eine gemeinsame Sprache zu übertragen. Nur so kann das Team optimal funktionieren.

Der Prozess des Design Thinking

Der Design Thinking-Prozess besteht aus sechs klar umrissenen Schritten, die idealtypisch aufeinander folgen.

  1. Verstehen
    Der erste und der zweite Schritt (Beobachten) ergeben zusammen die sogenannte Recherchephase. Diese Phase soll das Team auf einen gemeinsamen Stand bringen, sodass alle das Problem verstehen. Es wird zu der eigentlichen Problemstellung recherchiert, gegebenenfalls die ursprüngliche Problemstellung hinterfragt, fokussiert und manchmal in eine gänzlich andere Richtung verschoben.
  2. Beobachten
    Der zweite Schritt der Recherchephase besteht aus der qualitativen Untersuchung bei Menschen. Dabei werden nicht unbedingt aktuelle Kunden ins Auge gefasst, sondern Personen, die gerade kein Interesse an den Produkten zeigen, diese sogar bewusst ablehnen. Ebenso sind Personen interessant, die Produkte anders nutzen, als sie ursprünglich gedacht waren. Obwohl der Schritt als Beobachten bezeichnet wird, geht es in dieser Phase nicht um reines Beobachten, sondern um eine aktive Interaktion mit den Menschen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Verstehen- und dem Beobachten-Schritt werden visualisiert. Diese Visualisierung kann durch Fotos, Skizzen oder kurze Notizen geschehen.
  3. Synthese
    Die visualisierten Ergebnisse und Erkenntnisse werden an eine Wand gebracht und jedes Teammitglied stellt den anderen Mitgliedern in narrativer Form seine Ergebnisse und Erkenntnisse vor. Dabei geht es nicht um einen trockenen Bericht, sondern um einen gemeinsamen Dialog mit Fragen und Interpretationen. Danach wird alles zusammengefasst, um Muster, Gemeinsamkeiten und Schlagwörter in den gesammelten Informationen zu finden. Dafür wird mit einem Framework, welches die Relationsverhältnisse übersichtlich und verständlich darstellt, gearbeitet. Zum Beispiel können Diagramme oder Journeys genutzt werden.
  4. Ideengenerierung
    Im vierten Schritt des Design Thinking-Prozesses werden Ideen aus dem Framework hergeleitet. Diese können zum Beispiel durch Brainstorming entstehen, wenn im Vorfeld konkrete Fragen aus dem Framework gebildet werden. Auch in der Phase der Ideengenerierung wird Wert darauf gelegt, alles zu visualisieren. Im Anschluss werden die Ergebnisse durch Post-It-Notes strukturiert. Was kann gruppiert werden? Welche Ideen bauen aufeinander auf oder können zusammengefasst werden?
  5. Prototyping
    Es werden schnelle Prototypen erschaffen. Dies kann durch Rollenspiel, Pappmodelle oder Storytelling geschehen. Diese Prototypen sollen dabei helfen, bestimmte Fragen zu beantworten, um den Ideenprozess voranzutreiben. Der Prototyp ist in diesem Fall kein Ergebnis der Idee, sondern ein weiterer Ideengeber im Prozess. Des Weiteren kann so schnell erkannt werden, welche Ideen nicht weiter verfolgt werden sollten.
  6. Tests
    Es folgen Tests und Feedbackschleifen zu den Prototypen. Obwohl das Design Thinking einen klaren, idealtypischen Verlauf hat, wird die Abfolge der Prozess-Schritte durch Schleifen zu vorhergehenden Phasen wiederholt. Spätestens in der sechsten Phase wird durch das Feedback des Teams deutlich, ob eine Überarbeitung stattfinden muss. Manchmal wird hierbei auch eine neue Recherche-Phase notwendig. Die Methode lebt von einer Kultur der Fehler und verlangt daher eine gewisse Ergebnisoffenheit.

Tipps für den Anfang

  • Machen Sie einen „Ja und …“ Tag. Sie werden sehen, dass sich so viel leichter konstruktiv mit Ideen arbeiten lässt, als mit „Nein, aber …“
  • Starten Sie den Tag im Team mit der Frage: „Was fühlst du und warum kannst du nicht 100 % bei der Sache sein?“ So kann sich das Team schnell synchronisieren und deutlich ehrlicher miteinander arbeiten.
  • Besorgen Sie sich viele bunte Stifte und Post-Its, um schnell Ideen zu fixieren und damit weiter zu arbeiten. Erweitern Sie die Notizen mit kleinen Zeichnungen, um Dinge auf den Punkt zu bringen.
  • Versuchen Sie es ruhig einmal mit einem Anti-Brainstorming. Sammeln Sie Ideen, die Sie eigentlich nicht so gut finden. Daraus entstehen ganz neue Ideen: Warum waren diese Ideen nicht gut, was müsste man verändern, damit sie genial wird?
  • Nehmen Sie sich ein Beispiel an Kindern und fragen Sie so lange „warum?“, bis es unangenehm für den Befragten wird. Sie werden ganz neue, deutlich tiefergreifende Erkenntnisse erlangen.
  • Gehen Sie bereits mit dem einfachsten Prototyp auf die Straße und testen Sie. Sammeln Sie ehrliches Feedback und versuchen Sie nicht, etwas zu verkaufen.
  • Probieren Sie immer wieder neue Dinge aus, auch im Alltag. Lassen Sie das Team die vertraute Meeting-Struktur verlassen und machen Sie stattdessen einen Workshop.
  • Nennen Sie Design Thinking nicht Design Thinking. Die Erwartung ist immer hoch, wenn wir mit bekannten Modelnamen arbeiten. Sagen Sie einfach, wir probieren etwas Neues aus und erklären Sie dem Team den Plan.
  • Probieren Sie andere Kreativitätstechniken aus: Mind Maps, Crazy Eights oder die Disney-Methode.
  • Haben Sie keine Angst vor dem Scheitern.

Quellen und Hintergründe:

Bild: rawpixel.com / Pexels (Pexels Lizenz)

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