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"KI-Anwendungen kommen im Alltag an"

25.04.2019  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: CHECK.point eLearning.

"Man kann durchaus von einer neuen Zeitrechnung sprechen," erklärt Dr. Cäcilie Kowald, Spezialistin für Künstliche Intelligenz (KI) bei der time4you GmbH. Dabei kann KI helfen, die Weiterbildung besser, effizienter und auch individueller zu organisieren.

Ist in puncto KI im Training und der Weiterbildung eine neue Zeitrechnung angebrochen?

Dr. Cäcilie Kowald: Letztlich sind die Methoden und Strategien, die heute unter dem Begriff "KI" zusammengefasst werden, nicht neu. An vielen Konzepten wird bereits seit Jahrzehnten gearbeitet, und Software-Anwendungen nutzen schon lange grundlegende Technologien wie Neuronale Netze oder Regelsysteme. Dennoch würde ich sagen, dass man durchaus von einer neuen Zeitrechnung sprechen kann. Denn bisher war KI etwas, das sich in Anwendungen für Experten verbarg; jetzt kommt sie im Alltag an.

Das liegt zum einen daran, dass unsere technischen Geräte so leistungsfähig geworden sind – ein einfaches Smartphone ist heute leistungsfähiger als ein durchschnittlicher PC im Jahr 2000 -, aber auch an den Datenmengen, die den großen Internetkonzernen heute zur Verfügung stehen und die in die Entwicklung mit einfließen.

Welche Chancen bietet KI für den Weiterbildungsbereich?

Dr. Cäcilie Kowald: Zum einen kann KI helfen, die Weiterbildung besser, effizienter, aber auch individueller zu organisieren. Schon jetzt unterstützen KI-Anwendungen beispielsweise die Trainingsplanung, indem sie Raumbelegungen oder Trainerfahrtzeiten optimieren. Auskünfte zu Trainings oder auch Buchungen können von digitalen Assistenten automatisiert werden und stehen dann als Service rund um die Uhr zur Verfügung.

Zum anderen bietet KI neue Anwendungsmöglichkeiten für das Lernen selbst. Die verbesserten Analysefähigkeiten von KI-Systemen lassen sich beispielsweise nutzen, um individuelle Lernempfehlungen auszusprechen oder automatisch aus verschiedenen Quellen Themenkanäle mit Lerninhalten zu generieren. Und mit den neuen Conversational Interfaces, also Chatbots, eröffnet sich eine ganz neue Lernform: Lernen im Dialog, Conversational Learning.

Was ist das Besondere am Conversational Learning? Und was ist neu daran?

Dr. Cäcilie Kowald: Eine der grundlegendsten Formen menschlichen Lernens ist das Lernen im Gespräch mit einem anderen Menschen. Dieser Urform können wir mit einem Chatbot so nahe kommen wie mit keiner anderen Lernanwendung. Wenn ich nämlich mit einem Chatbot interagiere, um etwas zu erfahren, um mich weiterzubilden, bin ich augenblicklich in einem dialogischen Lernprozess.

Der Weiterbildungsorganisation öffnen sich damit ganz neue, vielfältige Optionen, individuell den Lernprozess zu unterstützen und die Grenzen des Klassenraum-gestützten Lernens weiter aufzubrechen. Dazu gehören naheliegende Trainingsanwendungen wie der digitale Vokabeltrainer, das sprechende "Lexikon", das tutorielle System, das über die neuen Produkte Bescheid weiß, aber auch so etwas wie dialogische Interactive Fiction, die den Anwender spielerisch mitnimmt in eine eigene Lernwelt.

Ein tutorieller Chatbot kann überdies flexibel auf mich, die Nutzerin, meine Fragen und Lernbedürfnisse eingehen und damit genau das benötigte Wissen liefern – zu dem Zeitpunkt, an dem es gebraucht wird, und ohne große Zugangshürden. Indem der Chatbot Rückfragen stellt, Emotionen zeigt und weckt, oder auch mal abschweift, intensiviert er die Beschäftigung mit dem Gelernten. In Zeiten, in denen informelles Lernen und Micro-Learning immer wichtiger werden, sind also Chatbots überaus attraktive Lernbegleiter.

Kann jeder eLearning Experte eigene Tutoren und Bots entwickeln oder muss man sich hier spezialisieren?

Dr. Cäcilie Kowald: Ja und nein. Eine Spezialisierung, oder zumindest eine eingehende Beschäftigung mit der Funktionsweise von Chatbots, ist auf jeden Fall sinnvoll. Denn Akzeptanz und echte Lernerfolge mittels Conversational Learning setzen voraus, dass die digitalen Helfer adäquate Gesprächspartner sind. Dazu muss das Konzept stimmen – z.B. ist Klarheit über den Anwendungsfall, den Lernkontext die Zielsetzung und die Zielgruppe eine wesentliche Voraussetzung.

Auch die Persönlichkeit des Bots muss überzeugen, ebenso wie der Dialog selbst. Es ist eine echte Kunst, überzeugende Charaktere und Dialoge zu entwickeln mit sachlich korrekten Inhalten und einer Gesprächsführung, die den menschlichen Dialogpartner gekonnt involviert. Für die Konzeption eines Lernbots braucht man also durchaus spezifisches Know-How. Aber es ist lernbar, und ein IT-Hintergrund keineswegs notwendig – grundlegende Technikkenntnisse reichen völlig aus. Gefragt sind letztlich vor allem mediendidaktische und kommunikative Kompetenzen.

Unsere These ist: Ebenso wie eLearning eröffnet auch Conversational Learning ganz neue Tätigkeitsfelder für Weiterbildungsprofis. Vielleicht wird sich in Ergänzung zum eLearning-Autor sogar als neues Berufsbild der "Conversational Learning Designer" herausbilden, dessen spezifische Kompetenz es ist, mit Hilfe von Bot-Tools dialogische Lern- und Beratungssequenzen zu entwickeln.

Wenn ich mich zu Conversational Learning weiterbilden bzw. spezialisieren möchte, welche Möglichkeiten habe ich?

Dr. Cäcilie Kowald: Genauso wie Chatbots nehmen auch Seminarangebote zum Thema zu. Allerdings kommen sie in der Regel aus dem Marketing-Umfeld und haben sehr aufgaben- oder verkaufsorientierte Bots im Fokus. Für pädagogische Anwendungen und Conversational Learning greifen diese Ansätze meist zu kurz.

Bild: GDJ / Pixabay (Pixabay License)

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