Hat Active Sourcing eine große Zukunft?

16.07.2019  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: Personalwirtschaft.

Die Unternehmens-Website und Internet-Jobbörsen bleiben für Arbeitgeber die wichtigsten Kanäle, um Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen und neue Mitarbeiter zu rekrutieren, wie eine aktuelle Studie zeigt. Active Sourcing nimmt an Bedeutung zu: Rund jede siebte Vakanz – bei IT-Firmen sogar jede vierte – konnte bereits auf diese Weise besetzt werden.

Der wichtigste Kanal für Arbeitgeber, um Stellenanzeigen zu platzieren, ist die eigene Unternehmens-Website: 95,4 Prozent der Top-1000-Unternehmen in Deutschland geben dies an. Es folgen Internetstellenbörsen mit 77,7 Prozent und die Arbeitsagentur mit 58,9 Prozent. Rund ein Drittel (32,4 Prozent) setzt auf Karrierenetzwerke, fast ebenso viele (30,4 Prozent) auf Mitarbeiterempfehlungen. Rund jeder siebte Arbeitgeber (14,3 Prozent) sieht sich auf sozialen Netzwerkplattformen nach möglichen Kandidaten um. Die Nutzung all dieser Recruitingkanäle hat seit 2013 zugenommen, wobei für die letzten beiden von diesem Zeitpunkt keine Daten vorliegen.

Anteil der Printmedien an Rekrutierungskanälen weiter rückläufig

Weiter im Rückgang begriffen sind Jobinserate in Printmedien; aktuell veröffentlichen dort nur noch 10,1 Prozent der Firmen ihre Vakanzen. Weitere Social-Media-Kanäle nutzen 5,9 Prozent der Unternehmen. Das sind Ergebnisse des Themenspecials „Social Recruiting und Active Sourcing“ der Studie Recruiting Trends von Monster in Kooperation mit der Universität Bamberg. An der repräsentativen Befragung nahmen 160 der 1000 größten Unternehmen und 11,6 Prozent der 300 größten IT-Unternehmen hierzulande teil. Die Ergebnisse wurden mit den Resultaten des Nutzungsverhaltens und den Einschätzungen von 3300 Kandidaten verglichen.

Bei Jobsuchenden stehen Internet-Jobbörsen auf Platz eins

Bei den befragten Bewerbern sind Internet-Stellenbörsen mit 53,7 Prozent am beliebtesten. Sieben von zehn Kandidaten schauen sich dort häufig nach Job um und rund ein Viertel (23,4 Prozent) hat darüber eine Stelle gefunden. Empfehlungen von Bekannten sowie Personalberater/Headhunter folgen an zweiter Stelle mit jeweils 38,4 Prozent. In der Gunst der Jobsuchenden stehen Unternehmens-Websites mit 35 Prozent auf Rang drei. Stellenanzeigen in Karrierenetzwerken folgen mit 33,1 Prozent.

Direktansprache nimmt zu, Kandidatenpool aber schon fast überfischt

Laut Studie haben sich Unternehmen 2018 im Vergleich zum Vorjahr weniger darauf verlassen, dass sich Bewerber auf Ausschreibungen melden, sondern etwas häufiger selbst potenzielle Kandidaten angesprochen. Bei 14,4 Prozent der befragten Top-1000-Unternehmen und 24 Prozent der IT-Firmen erfolgten bereits Neueinstellungen über Active Sourcing. Acht von zehn der größten Firmen (80,5 Prozent) und sogar 94,7 Prozent der IT-Unternehmen nutzen die direkte Ansprache insbesondere dann, wenn offene Stellen schwer zu besetzen sind. Drei Viertel (75,9 Prozent und 94,7 Prozent der IT-Firmen) greifen darauf zurück, wenn sich kein passender Kandidat auf die entsprechende Stellenanzeige gemeldet hat. Knapp jeder zweite Arbeitgeber (48,2 Prozent) spricht Kandidaten direkt an, wenn die Stelle schnell besetzt werden muss; von den IT-Unternehmen sagen dies fast drei Viertel (73,7 Prozent). Allerdings geben 45,6 Prozent der größten Unternehmen und 77,8 Prozent der IT-Firmen an, unternehmensexterne Lebenslaufdatenbanken und Karrierenetzwerke seien infolge von Active Sourcing bereits "überfischt". Was das Kosten-Nutzen-Verhältnis betrifft, so hält es mit 40 Prozent nicht einmal jedes zweite Top-100-Unternehmen generell für positiv. Die großen IT-Firmen sind allerdings etwas anderer Meinung; von ihnen sagen 68,4 Prozent, dass sich der Aufwand rentiert.

Jeder dritte Kandidat beißt bei Active Sourcing an

Von den Kandidaten gaben 36,4 Prozent an, sich bereits aufgrund von Active Sourcing bei einem Unternehmen beworben zu haben, bei dem sie sich sonst nicht beworben hätten. Zwei Drittel melden sich allerdings gar nicht zurück; viele Kandidaten beklagen, nicht individuell angesprochen zu werden. Immerhin zwei von zehn Studienteilnehmern haben ihre Stelle jedoch schon infolge einer Direktansprache gewechselt, obwohl sie nicht auf Jobsuche gewesen waren. Die Studienergebnisse zeigen auch, dass manche Kandidaten gewieft sind, um sich Arbeitgebern gegenüber attraktiv zu präsentieren: So hat jeder Vierte schon einmal Anforderungen aus einer Stellenanzeige in sein eigenes Online-Profil kopiert. 6,7 Prozent haben schon einmal falsche Informationen veröffentlicht – je jünger die Kandidaten, umso weniger genau nehmen sie es mit der Wahrheit, um ihre Chancen auf einen Job zu erhöhen.

Generation Z möchte über Empfehlungen zum Job gelangen

Wenn es darum geht, von Unternehmen gefunden zu werden, haben die potenziellen Kandidaten je nach Alter unterschiedliche Präferenzen hinsichtlich der Kanäle. So setzen die meisten Befragten der Baby-Boomer-Generation sowie der Generationen X und Y auf ein Profil in Karrierenetzwerken, Lebenslaufdatenbanken oder Internetstellenbörsen. Dagegen haben bei den Vertretern der Generation Z, der jüngsten Altersgruppe am Arbeitsmarkt, Empfehlungen durch Bekannte den höchsten Stellenwert: Für gut drei Viertel (76,7 Prozent) steht diese Option auf Platz eins. Zum Vergleich: Bei der Generation Y nimmt die Job-Empfehlung durch Bekannte noch Rang zwei ein.

Lesen Sie hier den Originalartikel von Ute Wolter bei Personalwirtschaft

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