Akademie
VideoCampus
Fachliteratur
Software
Themen
Dashöfer
  • Seminare
  • Lehrgänge
  • Tagungen
  • Online-Seminare
  • Inhouse

„Alexa, Telefon!“: Warum weibliche Stimmen für Sprachassistenten problematisch sind

06.05.2019  — Markus Hiersche.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Siri, Alexa, Cortana: Sprachassistenten sind weiblich und sprechen mit Frauenstimmen. Aus Sicht der Gleichstellung von Mann und Frau ist das aber heikel. Schließlich werden so Geschlechterstereotype zementiert. Dänische Entwickler*innen steuern mit einer geschlechtlosen KI-Stimme gegen.

„Hey, Siri! Stell den Wecker auf 7 Uhr!“ Wer mit Apples Siri, Amazons Alexa, Microsofts Cortana oder einem anderem Sprachassistenten kommuniziert, spricht voreingestellt meist mit einer weiblichen KI. Das ist umso verwunderlicher angesichts der Tatsache, dass Künstliche Intelligenz eigentlich kein biologisches Geschlecht hat. Der Grund für die Bevorzugung weiblicher Stimmen durch die globalen IT-Konzerne ist aber ein einfacher und scheint nachvollziehbar: Frauenstimmen, das bestätigen weltweite Studien, werden von Hörer*innen angenehmer, hilfsbereiter und fürsorglicher empfunden als Männerstimmen. Männliche Stimmen können daher meist nur über die Einstellungen ausgewählt werden.

Sprachassistenten: Die digitalen Dienstmägde unserer Zeit

So einfach, so gut – möchte man meinen. Doch es gibt ein Problem: Durch Siri und Co. werde die weibliche Stimme – so der Klangforscher Holger Schulz von der Universität Kopenhagen – in die Rolle einer Assistentin zurückgedrängt. Sprachassistentinnen seien mittlerweile die „digitalen Dienstmägde unserer Zeit“, kritisiert Schulz scharf. Das sah auch ein dänisches Entwicklerteam, ein Zusammenschluss von „Copenhagen Pride“ und „Virtue“, so und hat deshalb auf eigene Faust eine genderneutrale Stimme für Sprachassistenten entwickelt, das Stimmen von Siri, Alexa und Google Assistant zukünftig ersetzen könnte. Ziel der Entwickler war es, eine Stimme zu konzipieren, die von den Hörer*innen nicht als eindeutig männlich oder weiblich wahrgenommen wird.

Frequenzen zwischen 80 und 220 Hz

Dazu startete das Team aus Linguist*innen, Sounddesigner*innen und IT-Expert*innen eine umfangreiche Testreihe: Insgesamt 4600 Personen wurden Stimmen vorgespielt, die zwischen dem männlichen Frequenzbereich (80 Hz) und weiblicher Frequenz (220 Hz) lagen. Die Studienteilnehmer*innen sollten die nacheinander abgespielten Stimmen dann auf einer Skala von 1 (männlich) bis 5 (weiblich) zuordnen. Nach jeder Runde wurden die Frequenzen weiter optimiert und erneut getestet, bis ein optimales Resultat erzielt wurde. Ein Hörbeispiel von Q finden Sie hier.

Ziehen Apple und Co. nach?

Ob die Erfinder*innen von Q jedoch Erfolg mit ihrem Projekt haben, steht in den Sternen: Die Großkonzerne Apple, Google, Microsoft oder Amazon sind schließlich nicht gerade dafür bekannt, fremde Technologien in ihre Produktlinien zu integrieren. Und doch könnte „Q“ der entscheidende Anstoß sein, dass die IT-Konzerne aus PR-Gründen bald nachziehen und eine eigene geschlechtsneutrale KI-Stimme entwickeln.

Quellen und Hintergründe:

Bild: picjumbo.com / Pexels (Pexels Lizenz)

Kennen Sie schon unseren neuen News­letter Digitalisierung aktuell?

nach oben