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Digitaler Überlastung vorbeugen

12.06.2019  — Jasmin Dahler.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

E-Mails, Anrufe, Facebook, Twitter, Newsletter, RSS-Feeds, Push-Benachrichtigungen, App-Updates, Terminerinnerungen, WhatsApp-Nachrichten, Anfragen in Messengern, neue E-Mails, Anrufe … Mit der Digitalisierung kam die Informationsflut, die täglich um unsere Aufmerksamkeit und Zeit kämpft. Die Folgen: Stress und erhöhte Vergesslichkeit. Doch was kann man dagegen tun?

Kopfschmerzen, nächtliche Schlafstörungen, körperliche und emotionale Erschöpfung sind Zeichen für digitalen Stress – Stress, der aus dem Unvermögen eines Individuums, mit neuer Technologie in einer gesunden und angemessenen Art umzugehen, resultiert.

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Wer heutzutage mit der Bahn oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, der sieht unweigerlich, dass ein Großteil der Passagiere an ihrem Smartphone, Tablet oder Laptop hängen. Bücher aus Papier und Zeitungen sind eher eine Seltenheit. Auch auf der Straße kleben die Nasen der Spazierenden an den Bildschirmen – und ich wette, dass auch Sie schon einmal miterlebt haben, dass Ihre Begleitung bei einer Verabredung das Smartphone gezückt hat, um nur ganz schnell E-Mails oder die neuesten Nachrichten zu checken.

Bereits 98 Prozent der 14- bis 18- Jährigen in Deutschland besitzen ein Smartphone. Bei einer Umfrage der Hamburger Agentur elbdudler in Kooperation mit dem internationalen Marktforschungsinstitut YouGov stellte sich heraus, dass von diesen 98 Prozent jeder Zweite seinen Tag direkt mit WhatsApp startet und über den Tag hinweg soziale Netzwerke mehrfach besucht1.

Trotz der Vorteile, die uns die Digitalisierung bietet, sind wir irgendwo auch ein Opfer dieser Technologie. Manch einer fotografiert lieber sein kunstvoll dekoriertes Abendessen für Instagram, anstatt das Essen an sich zu genießen, ein anderer macht sich überall Notizen für die nächsten Tweets und wieder andere nutzen ihren Feierabend, um die geschäftlichen E-Mails zu bearbeiten. 2018 lag alleine schon die durchschnittliche Nutzungsdauer von sozialen Medien bei zwei Stunden und 16 Minuten2. Doch soziale Medien sind erst der Anfang.

Informationen werden heute im Internet recherchiert, anstatt in einem Buch nachzuschlagen und wir müssen wohl alle zugeben, egal wie sehr wir uns bemühen, manchmal fällt einem bei der Recherche noch ein weiterer spannender Artikel ins Auge, den wir auch prompt anklicken. Auch ein Großteil des Shoppens wurde in die virtuelle Welt verlagert und haben Sie in der letzten Zeit mal versucht, beim Amt ein Formular auf einem normalen Bogen Papier zu bekommen? Es ist ein Akt, der zum Großteil auf Missverständnisse stößt. Bei der ganzen Zeit, die für die digitale Welt verloren geht, ist es da ein Wunder, dass unser Körper Warnsignale meldet? Apropos – haben Sie schon Mal von digitaler Demenz gehört? Ein Phänomen, unter welchem insbesondere – aber nicht nur – Schüler und Studenten leiden. Wir vergessen zunehmend Dinge. Einerseits weil wir einer Flut von Informationen ausgesetzt sind, die unseren Speicher einfach erdrücken und weil wir uns daran gewöhnt haben, dass wir jede Information jederzeit überall auf unseren technischen Geräten wieder abrufen können.

Doch wie kann man dem ganzen einen Riegel vorschieben, ohne die Digitalisierung gänzlich zu ignorieren? Arbeit, Faulenzen, Essen und vieles mehr können uns gut tun, aber auch krank machen. Es ist hier nicht anders, der richtige Umgang beugt eine Digitale Überlastung vor.

Digitale Überlastung vorbeugen – So geht es!

Pause nicht am Bildschirm

Nach sechs Stunden Arbeit steht ihnen eine schöne dreißigminütige Pause zu, die Sie nach Belieben gestalten können. Arbeiten Sie den ganzen Tag am Computer, sollte diese Pause nicht am Computer stattfinden. Gehen Sie raus und genießen Sie das Wetter oder wenn das Wetter schlecht ist, unterhalten Sie sich mit ebenfalls pausierenden Kollegen*innen. Hauptsache Sie kommen ein paar Minuten weg vom Monitor (das heißt auch nicht auf dem Smartphone Apps ausprobieren) und entspannen Ihre Augen und Ihr Gehirn.

Bewusst entscheiden

Zum Ende meiner Schulzeit und während meiner Studienzeit sammelten sich etliche Programme auf meinem Laptop und meinem Handy. Alles Kommunikation-Programme, die dazu dienen sollten, Gruppenarbeiten, Prüfungsvorbereitungen und einen fachlichen Austausch zu erleichtern. In meinem dritten Semester war ich dermaßen genervt von den ständigen Schwall an Nachrichten, dass ich anfing auszusortieren. WhatsApp war übrigens die erste App, die ich gnadenlos deinstallierte. Am Ende blieb ein Programm, welches weder den Gruppenarbeiten, Prüfungsvorbereitungen oder dem fachlichen Austausch diente, sondern lediglich dafür da war, um mit engen Freunden hin und wieder zu schreiben. Zugegeben: Vermutlich könnte ich auch dieses Programm löschen, aber der Punkt ist, es stellte sich bei allen Programmen raus, dass ich sie eigentlich nicht brauchte und ich mehr Zeit hatte, wirklich für Prüfungen zu lernen, anstatt darüber zu philosophieren, welche Aufgaben denn nun dran kommen könnten. In der Arbeitswelt werden uns bestimmte Programme vorgegeben, die einer internen Kommunikation dienen sollen, aber auch hier bleibt die Frage: Werden wirklich drei, vier, fünf verschiedene Programme für die Kommunikation benötigt, wenn es auch nur mit einem funktionieren würde? Vielleicht sind diese Programme einfach mit in das Unternehmen hineingewachsen und es wird Zeit, die Heckenschere zu holen und Überflüssiges abzuschneiden. Haben Sie den Mut, zu Programmen nein zu sagen.

Einfach löschen

Wie viele Social Media Profile haben Sie und wie viele benutzen Sie wirklich? Es ist wie mit den Kommunikationsprogrammen, überlegen Sie welche Sie wirklich brauchen. Instagram ist schön, aber wenn Sie sich genötigt sehen, Fotos zu machen und gar keinen Spaß daran haben, dann schneiden Sie auch diesen unnötigen Ast ab. Selbiges gilt für etliche andere Programme.

Apropos – haben Sie solche wundervollen Apps, die sich andauernd bei Ihnen melden, aber eigentlich bereits seit sechs Monaten nicht mehr genutzt werden? Vielleicht wird es dann Zeit, auch einige Apps vor die Tür zu setzen.

Fester Zeitrahmen

Nein, ich meine damit nicht, dass Sie jeden Tag Punkt acht Uhr bitte Ihre Facebook-Seite aufmachen sollen und dann um Punkt 12 und um Punkt 18 Uhr. Es geht vielmehr darum, festzulegen, wie viel Zeit insgesamt genutzt werden soll und zwar für alle Social Media Profile. Vielleicht geht auch ein Tag in der Woche ganz ohne Informations-Update?

E-Mails vorsortieren

200 E-Mails bekomme ich täglich an meine private E-Mail Adresse und noch mehr an mein berufliche Mail-Adresse. Daher habe ich mir die Zeit genommen und eine Vorsortierung bei meinen Mailprogrammen eingerichtet. Unter anderem ein Unterordner extra für Newsletter, den ich nur einmal am Tag durchgehe. So lenken sie mich nicht im Posteingang von aktuellen E-Mails ab. Welche Sortierungen Sinn machen, ist eine individuelle Entscheidung und vielleicht müssen Sie erst ein paar Varianten ausprobieren, bis sie die richtige Auswahl für sich gefunden haben. Im Übrigen kann die Flut an E-Mails verkleinert werden, wenn bei einem kurzen internen Austausch nach dem Telefon gegriffen wird oder der Kollege direkt aufgesucht wird. Das Tolle daran, die Augen können sich dann auch noch gleich vom Monitor erholen.

Die Arbeit nicht mit in den Feierabend nehmen

Nutzen Sie Ihren Feierabend für Hobbys, Familie, Schlaf oder dem Erlernen einer neuen Sprache, aber schauen Sie nicht mehr in Ihre beruflichen E-Mails. Ihnen stehen nach der Arbeit elf ungestörte Stunden zu und diese sollten Sie wahrnehmen. Auch die privaten E-Mails sollten abends nach der Arbeit nur kurz durchgesehen werden, um den Kopf freizubekommen und nicht zu viel Zeit am heimischen PC zu verbringen.

Einigen Sie sich auf der Arbeit

Es geht unheimlich viel Zeit verloren, wenn bei gespeicherten Dateien keine Einheitlichkeit herrscht. Während der eine jedes Dokument in seinen privaten Download-Ordner belässt, speichert der andere es in den gemeinsamen Dokumenten-Ordner und wieder eine andere sortiert es gleich explizit den richtigen Rubrik-Ordnern zu. Besonders katastrophal kann es werden, wenn mit Bildern gearbeitet wird und es keine einheitliche Benennung gibt. Dann muss Person A stundenlang recherchieren, woher das Bild stammt, ob er es für das neue Produkt verwenden darf oder wo eigentlich das Bild ist, von dem Person B sprach. Einigen Sie sich zumindest in Ihrer Abteilung – am besten im ganzen Unternehmen – wie Dateien abgespeichert werden sollen.

Reduzieren Sie Multitasking

Multitasking ist aus neurobiologischer Sicht nicht möglich. Sie können nicht zwei Arbeitsvorgänge gleichzeitig erledigen, lediglich schnell zwischen Aufgaben hin und her switchen. Diese Fähigkeit ist für viele Berufsaufgaben notwendig, aber nicht für alle. Digitalisierung fordert von uns oft Multitasking, daher entscheiden Sie ganz bewusst, wann es wirklich notwendig ist und wann es mehr Sinn macht, sich nur auf diese eine Aufgabe zu konzentrieren. Versuchen Sie folgende 15-Minuten-Konzentrations-Übung: Schaffen Sie sich einen überschaubaren Arbeitsort und wählen Sie einen festen Zeitpunkt, in dem Sie für 15 Minuten vor eine einzige Aufgabe ganz konsequent und ohne jegliche Ablenkung durchführen. Lassen Sie sich nicht ablenken! Auch nicht von Gedanken wie: Das muss ich nachher noch erledigen oder ich könnte noch schnell.

Selbstdisziplin und Achtsamkeit

Sind wir gereizt oder erschöpft, können wir Versuchungen nur schwer widerstehen. Rauchen, Schokolade konsumieren, nach neuen Nachrichten und Angeboten im Netz suchen oder am Smartphone zocken, passiert dann beinahe ganz automatisch. Unsere Selbstdisziplin ermüdet durch Unterbrechungen, Multitasking, Reizüberflutung, verlockende Angebote, Schlafmangel, triviale Entscheidungen und Stress. Somit befördert die Digitalisierung einen recht schnell in einen Teufelskreis, der nur durch Selbstdisziplin durchbrochen werden kann. Als erste Maßnahme kann die digitale Detox-Strategie helfen. Einfach ein paar Tage offline bleiben und auf Spiele und SMS verzichten. Nach den ersten überraschenden Emotionen bekommen wir ein Gefühl für das Problem und erkennen, woher das Bedürfnis erwächst, digitale Geräte im Übermaß zu nutzen. Sind es private Probleme, von denen wir uns ablenken wollen oder müssen die Arbeitstechniken optimiert werden? Nur, wenn die Gründe bekannt sind, können wir unsere Selbstdisziplin stärken und dem Drang und damit der digitalen Überlastung entgegenwirken.

Quellen und Hintergründe:

Bild: Ruca Souza (Pexels, Pexels Lizenz)

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