Selbstständige mit digitalisierten Unternehmungen profitierten besonders von Corona-Soforthilfe

07.11.2022  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: DIW Berlin.

Die Resonanz auf die Corona-Soforthilfe ist groß. Etwa die Hälfte der Selbständigen in Deutschland haben einen Antrag gestellt. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Selbstständige mit der Corona-Soforthilfe ihre Zukunftsaussichten positiver beurteilen. Selbstständige mit digitalisierten Unternehmen profitieren am meisten.

Besonders Selbstständige mit hochdigitalisierten Unternehmungen haben sich von der Corona-Soforthilfe ermutigt gefühlt: Ihre Selbsteinschätzung, die Krise zu überstehen, hat sich durch die Soforthilfe um etwa elf Prozentpunkte verbessert. Bei Selbstständigen, die ihre Geschäftsprozesse nur geringfügig digitalisiert hatten oder nicht digitalisieren konnten, gab es dagegen keine messbaren Effekte. Das zeigt eine gemeinsame Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) mit dem ZEW Mannheim und der Universität Trier, für die eine Umfrage unter mehr als 27 000 Selbstständigen über ihren Umgang mit der Corona-Krise ausgewertet wurde. Dabei wurden hinsichtlich Branchenzugehörigkeit, Größe und Geschäftslage möglichst ähnliche Unternehmungen miteinander verglichen, um Verzerrungen des Ergebnisses zu vermeiden. „Unsere Studie zeigt, dass große Unterschiede bei der Wirkung der Soforthilfe abhängig vom Grad der Digitalisierung bestehen“, sagt Alexander Kritikos, Studienautor und Leiter der Forschungsgruppe Entrepreneurship sowie Mitglied des Vorstands des DIW Berlin. „Selbstständige mit stark digitalisierten Unternehmungen bewerteten nach Erhalt der Soforthilfe ihre Zukunftsaussichten deutlich besser, bei Selbstständigen ohne digitalisierte Unternehmungen entfaltete die Soforthilfe dagegen keinerlei signifikante Wirkung.“

Die Corona-Krise und die mit ihr verbundenen staatlichen Einschränkungen waren für die meisten Selbstständigen eine große Belastung. Neun von zehn Selbstständigen berichteten im Frühjahr 2020 von Umsatzeinbußen von 75 Prozent und mehr. Auf entsprechend große Resonanz stieß die Soforthilfe für Selbstständige, die die Bundesregierung als Teil des ersten Corona-Entlastungspakets anbot. Es gingen etwa 2,2 Millionen Anträge ein – was bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Selbstständigen in Deutschland Hilfe beantragte.

Kaum Effekte bei Selbstständigen, die erst während der Pandemie in Digitalisierung investiert haben

Über alle Selbstständigen hinweg wirkte die Soforthilfe nur moderat: Die Einschätzung, in einem Jahr trotz der Pandemie die Unternehmung fortzuführen, lag bei denjenigen Selbstständigen, die Soforthilfe erhalten hatten, um 6,5 Prozentpunkte höher als bei Selbstständigen, die keine Soforthilfe erhalten hatten, aber planten, einen Antrag zu stellen. „Die Soforthilfe war wichtig, um die Liquidität bei Selbstständigen und Kleinstunternehmen sicherzustellen, aber sie reichte allein nicht aus“, sagt Caroline Stiel, Co-Autorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Entrepreneurship im DIW Berlin. „Wichtiger war das Signal, das die Nothilfe sendete: Dass der Staat die Selbstständigen mit der Corona-Krise nicht allein lassen würde.“

Infografik

© DIW Berlin; für Großansicht bitte anklicken

Die Selbstständigen starteten dabei mit höchst unterschiedlichen Voraussetzungen in die Pandemie: Während IT- und Designbranche sowie Onlinehandel bereits früh auf Digitalisierung setzten, wiesen viele von der Pandemie besonders hart getroffene Bereiche wie die Veranstaltungsbranche oder die Gastronomie nur geringe Digitalisierungsgrade auf. Etwa 20 Prozent der Selbstständigen investierten nach Beginn der Pandemie in die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse, etwa in digitale Vertriebswege oder in Videochatsoftware, über die Dienstleistungen wie Coachings oder Unterricht angeboten werden konnten. Solche Bemühungen zeigten aber nur begrenzt Wirkung: Bei denjenigen Selbstständigen, die erst nach Beginn der Krise in die Digitalisierung investierten, konnten keine signifikanten Effekte durch die Soforthilfe gefunden werden. „Die Digitalisierung kann nicht kurzfristig aufgeholt werden“, sagt Irene Bertschek, Co-Autorin und Leiterin des Forschungsbereichs Digitale Ökonomie am ZEW Mannheim. „Eine langfristige Strategie für die Digitalisierung ist daher eine wichtige Voraussetzung, um für Krisen gewappnet zu sein.“

Digitalisierung ist Beitrag zur Krisenresilienz

„Soforthilfe und ähnliche Programme können kurzfristig Härten abfedern“, resümiert Jörn Block, Co-Autor und Sprecher des Forschungszentrum Mittelstand der Universität Trier. „Unsere Studie zeigt aber, dass der Grad der Digitalisierung in den Unternehmungen ihre Effektivität steigern oder behindern kann.“ Programme, die die Digitalisierung von Selbstständigen und Kleinstunternehmen fördern, sollten daher als Beitrag zur Krisenresilienz betrachtet werden. Zudem kann der Breitbandausbau in ländlichen Regionen helfen, Selbstständigen einen überregionalen Zugang zu Kund*innen zu ermöglichen.

Bild: Ksenia Chernaya (Pexels, Pexels Lizenz)

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