Salman Rushdie mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2023 ausgezeichnet

24.10.2023  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V..

Schriftsteller Salman Rushdie wurde am 22. Oktober 2023 vor rund 700 geladenen Gästen in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. In seiner Rede sagte er: "Frieden will mir im Augenblick wie ein dem Rauch der Opiumpfeife entsprungenes Hirngespinst vorkommen."

Unter den Gästen waren unter anderem auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth, Wirtschaftsminister Robert Habeck, Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir. Die Laudatio hielt Daniel Kehlmann, deutsch-österreichischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Essayist, Literaturkritiker und Dozent.

In seiner Dankesrede beschreibt Rushdie die Suche und die Sehnsucht nach Frieden, der aber, so sagt er, schwer zu schaffen und schwer zu finden sei: „Und doch sehnen wir uns danach, nicht nur nach dem großen Frieden am Ende eines Krieges, sondern auch nach dem kleinen Frieden in unserem eigenen privaten Leben, ein Leben in Frieden mit uns selbst und unserer kleinen Welt.“

In seiner Rede fährt er fort: „Hier sind wir nun versammelt, um über Frieden zu sprechen, wo doch gar nicht weit fort ein Krieg tobt, ein der Tyrannei eines einzelnen Mannes und seiner Gier nach Macht und Eroberung geschuldeter Krieg, ein trauriges Narrativ, dem deutschen Publikum nicht unbekannt. Und in Israel und dem Gazastreifen ist noch ein bitterer Konflikt explodiert. Frieden will mir im Augenblick wie ein dem Rauch der Opiumpfeife entsprungenes Hirngespinst vorkommen.“

Rushdie appelliert in seiner Rede daran, nicht aufzuhören, sich für den Frieden einzusetzen und plädiert dafür, dass „der Friede, so mühselig er auch zu finden ist, so unmöglich es scheinen mag, ihn zu bewahren, dass er, dieses so schwer zu bestimmende Etwas, trotz alledem zu unseren großen Werten zählt, die es leidenschaftlich zu verfolgen gilt“.

Auch über die Freiheit spricht Salman Rushdie, die – so habe er lernen müssen – „eine gleich starke und widersetzliche Reaktion der Kräfte der Unfreiheit provozieren kann.“ Er sagt weiter: „Wir leben in einer Zeit, von der ich nicht geglaubt habe, sie erleben zu müssen, eine Zeit, in der die Freiheit – insbesondere die Meinungsfreiheit, ohne die es die Welt der Bücher nicht gäbe – auf allen Seiten von reaktionären, autoritären, populistischen, demagogischen, halbgebildeten, narzisstischen und achtlosen Stimmen angegriffen wird.“ „Was aber tun wir in Sachen Meinungsfreiheit, wenn sie auf derart vielfältige Weise missbraucht wird? Wir sollten weiterhin und mit frischem Elan machen, was wir schon immer tun mussten: schlechte Rede mit besserer Rede kontern, falschen Narrativen bessere entgegensetzen, auf Hass mit Liebe antworten und nicht die Hoffnung aufgeben, dass sich die Wahrheit selbst in einer Zeit der Lügen durchsetzen kann. Wir müssen sie erbittert verteidigen und sie so umfassend wie möglich definieren, was natürlich heißt, dass wir die freie Rede auch dann verteidigen, wenn sie uns beleidigt, da wir die Meinungsfreiheit sonst überhaupt nicht verteidigen würden. Verlegerinnen und Verleger gehören zu den wichtigsten Wächtern der Meinungsfreiheit.“

Daniel Kehlmann beschreibt in seiner Laudatio Salman Rushdie als das „Gegenteil eines weltabgewandten Menschen (…): Was immer in der gärenden Substanz des Weltgeistes geschieht. Er nimmt es vor uns anderen wahr“ und transformiere es „manchmal in offensichtlicher, manchmal auf geheime und nur ihm selbst nachvollziehbare Weise, in Kunst.“ Der Künstler, Humorist und Sätzeschmied sei „unbestritten einer der großen Erzähler der Literaturgeschichte, der vielleicht wichtigste Verteidiger der Freiheit von Kunst und Rede in unserer Zeit – vor allem aber ein weiser, neugieriger, heiterer und gütiger Mensch und somit der würdigste Träger, den es für diese Auszeichnung, die ja als Friedenspreis ausdrücklich nicht nur künstlerische, sondern auch humanistische Größe auszeichnet, überhaupt hätte geben können.“

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins, sieht in Rush-die einen Menschen, „der trotz all dem, was ihm widerfahren ist, seine Stimme erhebt und für die Freiheit des Denkens und des Wortes eintritt. Einen Menschen, dem wir weise Worte und Denkanstöße verdanken. Einen Menschen, der mit seinen fiktionalen Geschichten der Realität den Spiegel vor Augen hält. Einen Menschen, von dem wir lernen können, was Mut ist.“

Der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef nennt Rushdie ein Vorbild, das die Werte des Paulskirchenparlaments in die Welt getragen habe: „Der Friedenpreis hat hier seine Heimat gefunden, weil die Paulskirche den Werten der demokratischen Bestrebungen seit 1848 ein Zuhause gibt. Werten wie Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit, Frieden und Demokratie. Das Leben und Schaffen des heutigen Preisträgers steht symbolisch für diese Werte Frieden und Meinungsfreiheit.“

Seit 1950 vergibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Preisträger*innen waren unter anderem Sebastião Salgado, Albert Schweitzer, Astrid Lindgren, Václav Havel, Jürgen Habermas, Susan Sontag, Liao Yiwu, Navid Kermani, Margaret Atwood, Aleida und Jan Assmann und im vergangenen Jahr Serhij Zhadan. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Die Reden von Salman Rushdie und Daniel Kehlmann sind abrufbar unter: www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de.

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Bild: Pixabay (Pexels, Pexels Lizenz)

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