Fame durch Fake: Traumurlaub im Möbelhaus

17.03.2020  — Matthias Wermke.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Wir leben im Zeitalter vorgetäuschter Nachrichten – oder etwas griffiger formuliert: Fake News. Große Bekanntheit erlangte dieser Begriff durch den Wahlkampf des amtierenden amerikanischen Präsidenten Donald Trump, in dem er jede Form der Berichterstattung, die ihm nicht in den Kram passte, als gelogen, eben als Fake News, bezeichnete.

In den letzten Jahren hat sich gerade in sozialen Netzwerken ein gewisses Misstrauen vor dem Hintergrund des völligen Überangebots an Informationen entwickelt. Und das ist auch nur verständlich: Wer soll zwischen all den Meinungen, Berichten, vermeintlichen Studien, Posts, Tweets und Geschichten noch unterscheiden können, was stimmt und was frei erfunden ist?

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Dass das mitunter sehr gefährlich werden kann, zeigt sich an der radikalisierenden Wirkung, die manipulativ verbreitete Falschnachrichten haben können. So werden sie von terroristischen Vereinigungen instrumentalisiert, um Menschen von ihren verbrecherischen Ideologien zu überzeugen.

Dr. med. Fake

Bei all dem Übel kann es sehr erfrischend sein, wenn sich jemand dem Thema Fake News auf unterhaltsame Weise nähert. So führte die amerikanische Influencerin Natalia Taylor ihre Follower*innen an der Nase herum. Sie werden sich nun jedoch vermutlich fragen, wer ist überhaupt Natalia Taylor?

Wie es bei vielen Influencer*innen häufig der Fall ist, weiß man nicht so recht, was ihre Aufgabe in dieser Welt sein könnte und womit sie ihr Geld verdienen. Auch bei Taylor ist das nicht ganz klar. Was man aber definitiv über sie weiß, ist durchaus einen eigenen Absatz wert.

So überrascht es zwar nicht, dass die 26-Jährige als Model arbeitet und ganz dem Trend gemäß vegan lebt. Dass sie jedoch einen Abschluss in Nuklearmedizin an der Universität von Cincinnati gemacht hat, um mit Krebs-Patient*innen zu arbeiten, verblüfft bei einer Person dann doch, die ihren Lebensunterhalt offenbar mit Social Media Content bestreitet. Aber wie narrte die Influencerin mit akademischen Grad nun ihre Fans?

Schein oder nicht Schein?

Bei Instagram gilt eines der ältesten Motive der Menschheit: Man zeigt gern, was man hat. Und während die einen mit luxuriösen Autos, ihrem exklusiven Lifestyle oder dem gestählten Körper protzen, versuchen andere die Follower*innen mit ihren Reisen zu begeistern – und vielleicht auch ein bisschen neidisch zu machen.

Dass da ein verlängertes Wochenende auf Borkum mit Kuttertour und Wattwanderung kaum Likes generiert, dürfte kaum überraschen. Denn natürlich gilt auch hier: Je ausgefallener desto besser. Um Ihre Fans mitzureißen, entschied sich Taylor daher für die indonesische Insel Bali.

Und so teilte die Influencerin lustig Bilder aus ihrem Urlaubsdomizil: Taylor in der Badewanne mit Bademantel und erstauntem Blick, Taylor mit knallig pinkem Kleid und Retrotelefon in ein angeregtes Gespräch vertieft – und das alles in ihrem Hotelzimmer. Aber nur augenscheinlich!

Denn wie sie ihren 300.000 Instagram- und 2.000.000 YouTube-Follower*innen später offenbarte, war das alles eine einzige Scharade. Oder für alle nach 1980 Geborenen: Ein Fake! Was hatte sich tatsächlich zugetragen?

Bali(kea)

Nichts ist, wie es scheint, war das Motiv ihres kleinen Täuschungsexperiments. Denn statt wirklich nach Bali zu fliegen, machte sie ein Nahziel aus – den nächsten IKEA. Denn hier seien die Ausstellungsräume mit so viel Liebe zum Detail ausgestattet, dass man sie leicht mit einem Hotelzimmer verwechseln könnte. Dass sie damit Recht behalten würde, war dann an der positiven Reaktion ihrer Follower*innen zu verzeichnen.

Doch auch wenn die üblichen Strapazen einer langen Reise, wie Buchungsstress, Flug und Kofferschleppen wegfielen, war auch dieser „Kurzurlaub“ nicht ohne Anstrengung. Denn die Aktion sollte möglichst unerkannt bleiben und so hatten Taylor und eine befreundete Fotografin ihr gutes Tun, den starrenden Blicken irritierter Kund*innen zu entgehen.

Um die Täuschung perfekt zu machen, stahl sie sich allerhand Material aus den Insta-Accounts anderer Nutzer*innen zusammen. So gab sie eine Landung am Flughafen kurzerhand als igre eigen aus.

In einem Bekennervideo mit dem Titel „i FAKED a vacation at IKEA.“ deckte sie schließlich ihren kleinen Betrug auf und zeigt hier, wie genau sie das angestellt hat. Nicht ohne Erfolg, denn nach etwa einem Monat hat das Video schon mehr als zwei Millionen Views.

Ob es nun aber wirklich um den pädagogischen Ansatz ging, ihren Follower*innen zu zeigen, dass sie nicht alles glauben sollen, was man ihnen in den sozialen Medien auftischt, oder ob es nicht doch eher eine virale Werbeaktion für den schwedischen Einrichtungsriesen war, wird ihr Geheimnis bleiben. Egal, im Zweifel wären das auch nur Fake News.

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