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Zoom-Fatigue: Darf’s ein bisschen weniger sein?

26.08.2021  — Matthias Wermke.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Zoom-Fatigue: Schönes Kompositum, unerfreuliche Angelegenheit. Was genauso gut der Name einer frankokanadischen Jazz-Sängerin sein könnte, ist ein Problem, das immer mehr Menschen betrifft. Doch was verbirgt sich hinter diesem geheimnisvollen Begriff und was kann man dagegen tun?

In Zeiten von Corona (hierbei handelt es sich um die aktuelle Lieblingseinleitungsphrase des Autors und gewiss auch um Ihre) sind wir, die Menschen, die den Hauptteil ihrer Arbeit am Schreibtisch verbringen, entweder im Homeoffice oder sitzen ganz allein auf weiter Flur im Büro. Und da es nicht nur für das eigene Leben, sondern auch für das Fortbestehen des Unternehmens von eminenter Relevanz ist, zu kommunizieren, haben wir uns Kanäle erschlossen, die in Zeiten vor Corona (auch zu unterteilen in BC und AC) allenfalls stiefmütterlich behandelt worden sind.

Plötzlich unterhielt man sich mit Freund*innen über die Frage, worüber diese denn nun so in ihren Unternehmen kommunizieren würden: Zoom, Skype, Microsoft Teams? Möglichkeiten gibt es viele. Doch in einem sind sich alle einig: Es ist mehr geworden. Viel mehr. Zu jedem möglichen Themenbereich gibt es eine eigene Chatgruppe und es wird „gemeetet“, bis die Headsets glühen.

Meetings machen muntere Menschen müde

Das allerdings geht nicht spurlos an den Teilnehmenden vorbei. Zunehmende Müdigkeit und Erschöpfung stellen sich ein. Und wer das Glück hatte, in der Schule Französisch gehabt und dort ausreichend Aufmerksamkeit aufgebracht zu haben, wird nun aufmerken und sich denken: „Fatigue? Achja, richtig! Müde!“. Mais oui, très bien!

Die Zoom-Fatigue könnte also genauso gut Skype- oder Microsoft Teams-Fatigue heißen, aus offensichtlichen Gründen tut sie das aber nicht. Es geht entsprechend weniger um das Tool als solches, sondern eher um die Überfrachtung mit den darin vorkommenden Formaten wie Webinaren, Meetings, Videochats etc. und einer daraus entstehenden Müdigkeit bzw. Erschöpfung.

Zu viel des Guten

Was die Formate so anstrengend macht, ist nicht allein durch die bloße Menge an Calls zu beantworten. Vielmehr sind es die Anwender*innen, die häufig die Schuld daran tragen.

In einem Meetingraum, in denen man sich physisch trifft, merkt man in der Regel, wann die Luft im wahrsten Sinne des Wortes raus ist: Man öffnet die Fenster und beschließt eine kleine oder eine größere Pause, in der man dann vielleicht auch einmal über andere Themen spricht als nur über das, was einem bis eben noch Kopfzerbrechen bereitete. Hier herrscht eine Pausenkultur vor, an der es den Onlinemeetings komplett mangelt, die aber wichtig ist, um sich den drängenden Themen wieder mit frischem Kopf zu widmen.

Ein weiteres Problem ist die oft mangelhafte Technik. So können Online-Meetings schnell einer Séance gleichen, in denen man entfernte Wesen anruft, sie nach Zeichen ihrer Anwesenheit bittet und sie auffordert, einen Laut von sich zu geben, wenn sie einen hören können – ein okkulter Spaß für die ganze Belegschaft, aber auf Dauer eben sehr anstrengend.

Um diese Erfahrung ganzheitlich zu machen und einen auf der Ebene nahezu aller Sinneswahrnehmungen ausreichend zu belasten, sind Online-Meetings auch für die Augen eine große Anstrengung. Zunächst einmal lenken die verschiedenen Hintergründe der Teilnehmer*innen ab: „Welche Groschenromane hat Kollegin XY in Ihrem Bücherregal stehen? Ist da gerade eine Katze durchs Bild gehuscht? Mein Gott, ist das etwa ein Wandtattoo?“

Dann sorgt die schiere Menge an Teilnehmer*innen für eine gewisse visuelle Überbeanspruchung, da die Augen ständig zwischen den Gesichtern wechseln und man sich nicht wie gewohnt abwechselnd auf einige wenige Punkte fokussiert, wie der lustigen neuen Frisur des Kollegen oder der noch ungeklärten Herkunft des Flecks auf der neuen Jeans.

Das ist die Lösung!

Was kann man nun also gegen die Erschöpfung tun? Eines der probatesten Gegenmittel ist auch die wohl bekannte, aber für manche nicht ganz so beliebte Lösung für viele andere Probleme: Bewegung. Schon ein kleiner Spaziergang oder ein paar Dehnübungen können helfen, den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen und so neue Energie für das nächste Meeting zu gewinnen.

Voraussetzung für diese Art körperlicher Ertüchtigung ist natürlich, dass Sie dafür auch Zeit haben. Denn während eines Meetings sich beispielsweise in Yoga-Übungen wie dem herabschauenden Hund oder der Krähe zu versuchen, könnte die übrigen Teilnehmenden dazu veranlassen, an Ihrer geistigen Verfassung zu zweifeln. Lassen Sie also kleine oder bei längeren Meetings größere Pausen zu Ihrer Routine werden und kommunizieren Sie dies bei der Organisation der kommenden Calls. Ihre Kolleg*innen werden die Vorteile schnell erkennen.

Doch auch kleinere Anwendungen können dazu beitragen, der Erschöpfung vorzubeugen. Verzichten Sie auch mal auf die Nutzung der Kamera, halten Sie immer Essen und vor allem Trinken bereit und lassen Sie zum Feierabend PC und Smartphone einfach mal ausgeschaltet.

Grundsätzlich sollte in Unternehmen jedoch darauf geachtet werden, die Frequenz der Meetings im Sinne der Mitarbeiter*innen und deren Produktivität zu kontrollieren. Und sobald sich ein entsprechendes Problembewusstsein auch in den Führungsetagen eingestellt hat, wird es auch sicher nicht mehr lang dauern, bis flächendeckend Richtlinien erstellt werden.

Bis dahin wünschen wir Ihnen viel Spaß bei der Runde um den Block oder dem Sonnengruß!

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