Wieder oder wider? Die Frage schon wieder …

20.06.2019  — Moira Frank.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Ein einziger Buchstabe kann einen großen Unterschied machen. Besonders knifflig wird es in Fällen, in denen uns beim Sprechen kein Unterschied auffällt – im geschriebenen Wort aber umso mehr. So auch bei "wieder" und "wider". Wo ist der Unterschied?

Die gute Nachricht vorweg: Wenn wir "wieder" mit dem e schreiben, sind wir in den meisten Fällen auf der sicheren und richtigen Seite. "Wieder" sagt jede*r von uns wohl täglich mehrmals, sozusagen wieder und wieder: Sie haben heute morgen zum Beispiel wieder schwarzen Kaffee getrunken, leider schon wieder vergessen, die Büropflanze zu gießen (jetzt gleich nachholen!) und von der Chefin gerade eben Ihre Präsentation wiedererhalten.

"Wieder" mit e kann dabei zahlreiche Bedeutungen haben. Wer wiederkommt, benutzt es im Sinne von "zurückkommen". Wer sich wiederholt, sagt etwas erneut. Wer wieder gesund wird, kehrt in den ursprünglichen Zustand zurück. Wer einen Einwand ablehnt, weil das wieder etwas ganz anderes sei, spricht von einer zusätzlichen, gerade irrelevanten Unterschiedung. Und wenn Sie sich fragen, wie die neue Kollegin gleich wieder mit Nachnamen heißt, könnten Sie auch überlegen, wie noch mal ihr Name war.

Doch auch das "wider" gibt es! Es wird ausschließlich in der Bedeutung von "gegen" oder einen Gegensatz ausdrückend verwendet. Wer wider die Vorschrift handelt, tut das ohne e – außer natürlich, er handelt wieder, also zum wiederholten Male, wider die Vorschrift. Wenn Sie Widerwillen empfinden, so ist hier Ihr Missfallen gemeint, also Ihre einen Gegensatz ausdrückende Emotion. Auch, wenn Sie sich widersetzen, so handeln Sie entgegen einer Anweisung. Wollen Sie sich nach dem Aufstehen wieder setzen, so müssen Sie das mit e tun – und einem Leerzeichen.

Zu diesem speziellen Fall gibt es übrigens einen schönen Spruch, der das Dilemma von "wieder" und "wider" auf den Punkt bringt und den wir eigentlich gar nicht aufschreiben können, weil er nur gesprochen funktioniert: "Nur wer aufsteht, kann sich auch widersetzen." Oder ist es doch "Nur wer aufsteht, kann sich auch wieder setzen"?

Die Doppeldeutigkeit hier besagt: Man muss aufstehen und für seine Ideale auf die Straße gehen, um sich gegen die schlechten Verhältnisse zu positionieren, also sich zu widersetzen. Aber man muss eben auch von seinem Stuhl aufstehen, um sich später wieder auf den Stuhl zu setzen.

Bei zukünftigen Schwierigkeiten mit "wieder" und "wider" müssen Sie also bloß überlegen, ob Ihr Satz seinen Sinn behält, wenn Sie stattdessen "gegen" einsetzen. Dann bitte ohne e!

Bild: Helloquence / Unsplash (Unsplash Lizenz)

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