Um etwas einen Popanz aufbauen

02.07.2019  — Jasmin Dahler.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Es ist Freitagnachmittag und Ihr Kollege steckt noch mitten in einem Berg von Arbeit, während Ihre Kollegin bereits den Computer ausschaltet. Als Ihre Kollegin Ihnen ein schönes Wochenende wünscht, kommt Ihr Kollege nicht gegen den Frust an: „Natürlich überlässt du mir wieder die ganze Arbeit.“ „Jetzt, bau hier keinen Popanz auf!“ Einen was?

Wenn Sie noch nie das Wort „Popanz“ gehört haben, mag es daran liegen, dass der Begriff veraltet ist. Der Böse Wolf, der Schneider mit der Schere, der Nachtkrabb, die Roggenmuhme und auch der im englischsprachigen Kulturraum bekannte Boogeyman sind ein Popanz: Eine Schreckgestalt, die vor gefährlichen Situationen oder Orten warnen sollen. Obwohl hier nur Kinderschreckfiguren aufgelistet wurden, werden auch Schreckgestalten, die nicht explizit für die Kindererziehung erfunden wurden, als Popanz bezeichnet.

Das Wort Popanz stammt vermutlich aus dem Slawischen und war die Bezeichnung für eine vermummte und Angst einjagende Gestalt. Der Gebrauch des Wortes kann für das Ende des 16. Jahrhunderts nachgewiesen werden. Wann sich die Bedeutung des Wortes wandelte, ist nicht ganz klar, aber heute wird mit der Bezeichnung „Popanz“ eine nicht ernst zu nehmende Schreckgestalt umschrieben.

Mit der neuen Bedeutung lässt sich die Redewendung auch recht einfach erklären. Der Popanz ist nicht erschreckend, er möchte es jedoch gerne sein und macht viel Aufsehen um nichts. Er übertreibt es mit seiner Schrecklichkeit und so übertreiben auch wir es, wenn wir um etwas „einen Popanz aufbauen“. Ihr Kollege hat aufgrund seines Frusts natürlich übertrieben und Ihre Kollegin war sich dessen durchaus bewusst und nahm seine Anschuldigungen nicht wirklich ernst.

Bild: Vien Hoang / Pixabay (Pixabay License)

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