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Frauenanteil in deutschen Vorstandsetagen erreicht Rekordniveau

11.07.2022  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: Ernst & Young GmbH.

Zur Jahresmitte ist jedes siebte Vorstandsmitglied in DAX, MDAX und SDAX eine Frau. Höchster Frauenanteil im DAX; acht von zehn DAX-Konzernen haben mindestens eine Frau im Vorstand. Jedes zweite Unternehmen ohne weibliches Vorstandsmitglied.

Knapp vier von zehn neu bestellten Vorständen im ersten Halbjahr weiblich. Der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen von Deutschlands börsennotierten Unternehmen ist im ersten Halbjahr Jahr weiter gestiegen: In den 160 DAX-, MDAX-, SDAX- und TecDAX-Unternehmen arbeiteten zum Stichtag 1. Juli insgesamt 101 weibliche Vorstände und damit fünf mehr als vor einem halben Jahr. Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der Top-Managerinnen damit etwa verdoppelt.

Den 101 Frauen stehen in den Vorstandsgremien der Unternehmen insgesamt 614 Männer gegenüber. Der Frauenanteil liegt bei 14,1 Prozent – vor einem halben Jahr waren es 13,5 Prozent.

Dennoch bleiben viele Vorstände deutscher Konzerne mehrheitlich eine reine Männerdomäne. Derzeit sind 51 Prozent der Vorstandsgremien der börsennotierten Unternehmen ausschließlich männlich besetzt. Mindestens zwei weibliche Vorstandsmitglieder gibt es aktuell in jedem neunten Unternehmen.

Das sind die Ergebnisse einer Analyse der Struktur der Vorstände der 160 im DAX, MDAX und SDAX gelisteten Unternehmen, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zweimal jährlich durchführt.

Im Verlauf des ersten Halbjahres gab es bei den 160 analysierten Unternehmen insgesamt 23 Neubestellungen von Vorständen, neun der neuen Vorstandsmitglieder waren weiblich, was einem Anteil von 39 Prozent entspricht.

„Der Frauenanteil in Vorständen und Führungspositionen steigt. Das ist grundsätzlich positiv, das Tempo ist aber relativ langsam“, sagt Markus Heinen , Leiter des Bereichs People Advisory Services bei EY.

„Wir reden seit Jahren darüber, dass sich etwas ändern muss, aber noch immer steht eine Frau sechs Männern gegenüber. Aber: Man hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und eingesehen, dass sich der Frauenanteil in Führungspositionen nicht allein durch Freiwilligkeit steigern lässt.“

Im August vergangenen Jahres trat das zweite Führungspositionen-Gesetz in Kraft. Es besagt, dass in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Firmen, die mehr als drei Mitglieder haben, mindestens ein Mitglied eine Frau sein muss. Unternehmen müssen seitdem begründen, warum sie keine Frauen im Vorstand haben oder keine berufen wollen. Firmen, die sich nicht an das Gesetz halten, müssen laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit „empfindlichen“ Strafen rechnen.

Zu solchen verbindlichen Vorgaben könne man stehen, wie man will, so Heinen, aber: „Sie zeigen Wirkung und geben einer positiven Entwicklung endlich neuen Auftrieb. Einer Entwicklung, die sehr wichtig ist – für die Wirtschaft, aber auch für unsere Gesellschaft als Ganzes. Fehlt die weibliche Sichtweise in Vorständen und in Führungspositionen, besteht die Gefahr, dass Firmen die Hälfte ihrer potenziellen Kunden nicht richtig im Blick haben oder ihre Produkte und Dienstleistungen an ihnen vorbei entwickeln. Und das gilt branchenübergreifend.“

DAX-Konzerne bleiben Vorreiter

Derzeit weisen Konsumgüterhersteller und Telekommunikationsunternehmen mit jeweils 20 Prozent den höchsten Frauenanteil in ihren Vorstandsgremien auf, während Medienunternehmen mit einem Frauenanteil von knapp acht Prozent das Schlusslicht darstellen.

Mit Abstand am stärksten vertreten sind Frauen in den Vorständen der DAX-Konzerne: Knapp 20 Prozent der DAX-Vorstandsmitglieder sind weiblich. Deutlich niedriger ist der Anteil in MDAX- und SDAX-Vorständen, wo jeweils etwa 11 Prozent der Top-Manager Frauen sind.

Die Unternehmen profitieren von einer größeren Sichtbarkeit von Frauen in den Vorstandsetagen, sagt Heinen: „Viele junge Frauen haben großartige Ideen, um Unternehmen mit ihren Visionen nach vorne zu bringen. Was oft fehlt, um aus Visionen Wirklichkeit werden zu lassen, sind Vorbilder.“ Dabei müsse es nicht immer aktive Unterstützung oder Mentoring sein: „Alleine zu wissen, dass es bei den Entscheidern jemanden gibt, der tickt wie man selbst, kann den Unterschied machen und eine entscheidende Rolle dabei spielen, sich selbst auch mehr zuzutrauen. Und sich dann am Ende Verantwortung und Führung zuzutrauen und ein Unternehmen selbst zu leiten und zu formen.“

Neun weibliche CEOs – 151 männliche CEOs

Ganz an die Spitze schaffen es in Deutschland weiterhin nur relativ wenige Frauen: Neun der 160 untersuchten Unternehmen haben einen weiblichen CEO. Dabei handelt es sich um die folgenden Unternehmen: Deutsche Wohnen, DIC Asset, GFT Technologies, Merck, New Work, Pfeiffer SUSE, Takkt und Vacuum Technology.

Bild: fauxels (Pexels, Pexels Lizenz)

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