Zwei Jahre nach #aufschrei - Lüders und Wizorek warnen vor Rückschritten bei der Gleichstellung

28.01.2015  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Die Autorin und Bloggerin Anne Wizorek und die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, haben zwei Jahre nach Beginn der #aufschrei-Debatte vor Rückschritten bei der Gleichstellung der Geschlechter gewarnt.

"Bestimmte politische Gruppierungen haben nicht nur die vermeintliche ‚Islamisierung‘ als ihr Thema entdeckt. Auch bei der Frage der Gleichbehandlung der Geschlechter offenbaren diese Menschen ein Ausmaß an Hass und sprachlicher Enthemmung, das man in der öffentlichen Debatte bislang für undenkbar hielt“, sagten Lüders und Wizorek in einer gemeinsamen Erklärung.

"#aufschrei hat offen gelegt, dass wir längst nicht so weit sind, wie wir glauben. Sexismus ist auch heutzutage noch Realität und wir müssen diesem strukturellen Problem weiterhin mit Aufklärung, Gesetzen und Beratungsangeboten begegnen. Der Hass und die Aggressionen, die wir derzeit erleben, beweisen diese Notwendigkeit nur umso mehr“, sagte Wizorek.

Lüders warnte davor, in Jahrzehnten errungene Fortschritte ungeschehen zu machen, ohne dass sich die Öffentlichkeit ausreichend dagegen zur Wehr setze. "Wenn Menschen Morddrohungen erhalten, weil sie sich für eine Sprache einsetzen, die andere nicht ausgrenzt, dann braucht es einen neuen Aufschrei", sagte sie. Das gelte auch für den Versuch, Geschlechterpolitik als „Gleichmacherei“, „Wahn“, „Zwang“ oder gar „Auflösung unserer Werte“ abzutun: "Es geht hier ganz im Gegenteil darum, allen endlich die gleichen Chancen zu ermöglichen und niemandem aufgrund dumpfer Vorurteile das Leben schwer zu machen", unterstrich Lüders.

"Der tatsächliche ‚Genderwahn‘ besteht doch darin, Menschen aufgrund ihres Geschlechts zu diskriminieren, sie in ihrer Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung einzuschränken oder sogar noch zu bedrohen, sobald sie sich frei entfalten wollen. Damit wir endlich eine gerechte Gesellschaft werden können, müssen wir uns alle für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen“, sagte Wizorek.

Am 3. März ruft die Antidiskriminierungsstelle des Bundes das Themenjahr 2015 „Gleiches Recht. Jedes Geschlecht.“ aus. Ein Schwerpunkt wird die sexuelle Belästigung im Arbeitsleben sein. Dazu präsentiert die Antidiskriminierungsstelle zum Auftakt des Themenjahres eine umfassende Umfrage zu sexueller Belästigung und der Frage, was Betroffene und Arbeitgeber über die Rechtslage wissen. "#aufschrei hat vor zwei Jahren eine enorm wichtige Debatte ins Rollen gebracht. Sie hat insbesondere Frauen die Chance gegeben, endlich über ihre Erfahrungen zu sprechen und zu sehen, dass sie nicht allein sind“, sagte Lüders. "Das reicht aber nicht aus. Damit das Thema weiterhin ernst genommen wird, wollen wir Fakten vorlegen. Und wir wollen das Jahr nutzen, aufzuklären und zu handeln. Dies scheint wieder mehr denn je nötig zu sein."

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ist mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im August 2006 gegründet worden. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Anne Wizorek ist selbstständige Beraterin für digitale Medien und Initiatorin des Hashtags #aufschrei, unter dem 2013 eine Debatte zum Thema Alltagssexismus angestoßen wurde. Als erster Hashtag überhaupt wurde #aufschrei mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Wizorek ist außerdem Gründerin des Gemeinschaftsblogs kleinerdrei.org und Autorin.




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