Wasseransichten

07.07.2015  — Martina Morf-Koller.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Dr. Martina Morf-Koller berichtet über „Informationswasser“, levitiertes Wasser und andere Sonderbarkeiten in Bezug auf das lebenswichtige Element.

Liebe Leserin, lieber Leser,

was passt besser in diese Jahreszeit als das Thema Wasser. Las ich doch gerade in einem Artikel, dass sogenanntes levitiertes Wasser aus Österreich, welches bei Vollmond abgefüllt worden war, um es danach nach Taiwan zu exportieren, den dreifachen Preis von Mond-unabhängiger Abfüllung erzielt hätte. Hallo, bitte was? Erst mal zur Bezeichnung levitiertes, sprich belebtes, vitalisiertes oder auch informiertes Wasser. Letztere Namensgebung finde ich echt abgedreht, deshalb gefällt sie mir wohl auch so gut. Man stelle sich vor, Wasser fließe an einem mit sogenanntem „Informationswasser“ gefüllten Behälter vorbei, verändere dadurch seine Struktur und werde in eine höhere Ordnung versetzt. Es entfalte dadurch nun ungeahnte neue physikalische und biologische Wirkungen. Damit meinen die Vermarkter Eigenschaften wie entgiftend, bakterienabtötend, Reduktion der Verkeimung, geringere UV-Absorption, besseres Pflanzenwachstum und vieles mehr. Auf jeden Fall sei es der Gesundheit zuträglicher als „normales“ uninformiertes Wasser.

Alles Quatsch, denken Sie? Ja, dachte ich auch. Aber immerhin kann man mit diesen Versprechungen z. B. in der Schweiz einen Jahresumsatz von mindestens 12 Millionen Euro erwirtschaften. Nun sind die Schweizer keineswegs blöder als andere Menschen; immerhin ist es dort unter Androhung von Strafe bereits seit 1999 verboten, mit unbelegten gesundheitsbezogenen Angaben für Wasser zu werben. Dennoch geht das Produkt weg wie geschnitten Brot. Leider widerspricht schon die Nummer mit der höheren Ordnung dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik, aber wen interessiert da schon Physik. Außerdem weiß niemand so ganz genau, woraus die „Information“ für das Wasser denn nun besteht, oder zumindest sagt man es uns Verbrauchern nicht. Na, Hauptsache es steht schon mal GESUND drauf. Dabei hat gewöhnliches Wasser ganz viele tolle Besonderheiten, die in diesem Maße keine andere Flüssigkeit zeigt. Fische können am Grund zugefrorener Seen nur deshalb überleben, weil Wasser bei 4° seine größte Dichte annimmt und sich das wärmere Wasser am Grund sammelt, während das Eis darüber liegt. Außerdem hat Wasser die größte Wärmespeicherkapazität und die größte Oberflächenspannung aller Flüssigkeiten. Auch gibt es einen kühlenden Effekt, wenn die Flüssigkeit verdampft, nur deshalb macht es Sinn als Mensch zu schwitzen. Ach ja… Wasser ist schon toll. Es ist eigentlich die Grundlage unseres Lebens. Wenn man uns mal kräftig auswringen würde, wären wir bis zu 70% leichter. Deshalb ist es wichtig verlorene Flüssigkeit wieder aufzufüllen, besonders jetzt im Sommer.

Wenn Sie unbedingt teures, levitiertes Wasser trinken möchten, können Sie das gerne tun, es schadet Ihnen gesundheitlich bestimmt nicht, wird es doch als Lebensmittel streng kontrolliert und muss Gütestandards entsprechen. Wie unser Trinkwasser übrigens auch. Es handelt sich hierbei um Süßwasser mit hohem Reinheitsgrad, welches einen Mindestgehalt an Mineralstoffen vorzuzeigen hat und nicht durch krankheitserzeugende Keime belastet sein darf. Geregelt durch das Lebens- und Futtermittelgesetzbuch sowie der Din2000 Trinkwasserverordnung ist Wasser das am stärksten kontrollierte Lebensmittel. Nun könnten Sie argumentieren, Mineralwasser werde genau so streng überwacht und es gelten strengere mikrobiologische Grenzwerte als bei Trinkwasser. Betrachtet man es jedoch genau, wird die amtlich anerkannte Mineralquelle am Ort der Abfüllung überprüft, nach der Mineralwasser- und Tafelwasserverordnung (…schön, dass es für jede Eventualität eine eigene Vorschrift gibt, nicht wahr?). Danach müssen wir den Herstellern vertrauen. Trinkwasser muss seine Güteanforderungen aber an Ihrem Wasserhahn zuhause erfüllen ohne Wenn und Aber. Ein Mineralwasser, also eines von etwa 820 in Deutschland, ist ein Grundwasser mit besonderen Eigenschaften. Regen, welcher über lange Zeit durch Felsspalten oder Risse in den Boden und danach in die Tiefe gesickert ist, hat sich mit Mineralien angereichert und lagert hernach unterirdisch in freudiger Erwartung sein restliches Leben in einer Flasche verbringen zu dürfen. Man darf ihm Eisen und Schwefel entziehen, ein wenig mit Kohlensäure nachhelfen, ansonsten dürfen die Bestandteile nicht wirklich verändert werden.

Um ein Heilwasser zu werden, sollte die Zusammensetzung von Mineralien und Spurenelementen so ausfallen, dass amtlich nachgewiesen werden kann, dass es lindernde oder heilende Wirkung hat. Das haben immerhin noch 60 Stück geschafft. Aber aufgepasst: schon ist es kein Lebensmittel mehr. Nun fällt es unter das Arzneimittelgesetz. Auch Heilwässer werden aus unterirdischen Quellen gewonnen. Dann gibt es da noch das Tafelwasser. Das kann unabhängig von einer Quelle überall abgefüllt werden, es darf neben Leitungswasser auch mit Natursole oder Meerwasser versetzt sein. Im Gegensatz zu Mineral- und Heilwasser muss es im Restaurant nicht in der Originalflasche serviert werden.

Was auch immer Sie bevorzugen sollten, Hauptsache Sie trinken ausreichend davon. Jede Zelle Ihres Körpers freut sich darauf.

 

Die Autorin

Dr. Martina Morf-Koller lebt mit Mann und Kind in Hamburg-Bergedorf und arbeitet dort als Heilpraktikerin in eigener Praxis. Sie hat sich auf Beschwerden und Schmerzen des Bewegungssystems spezialisiert. Dabei behandelt sie Muskeln, Gelenke, Wirbelsäule und fasziale Netzwerke manuell und vermittelt alltagsbezogene ökonomische Bewegungsformen um die Körperstruktur nachhaltig zu verbessern. In klientenzentrierter Gesprächstherapie entwickelt sie mit Patienten individuelle Strategien zur Stressbewältigung. Als Ernährungsberaterin liebt sie es außerdem Wissenswertes zum Thema „gesunde Ernährung“ humorvoll aufzubereiten und praxistauglich ihren Patienten näherzubringen. Ernährungsberatung soll auf jeden Fall Genuss, Lebensfreude und auch Spaß vermitteln, denn sonst kommt das Wissen nicht an.



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