Tatort Internet - Politik muss dringend handeln

04.12.2014  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros.

Cybermobbing gegen Frauen und sexuelle Belästigung im Internet kommen mittlerweile sehr häufig vor. In Berlin hat es nun eine Tagung zum Thema gegeben.

In Berlin hat Ende November die Netzwerktagung „Dann geh ́ doch nicht ins Internet“ stattgefunden, die von der Bundearbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbüros (BAG) organisiert wurde. Netzexpertinnen, Gleichstellungsbeauftragte und Teilnehmerinnen sind besorgt über die steigende Diskriminierung und Bedrohung von frauenpolitischen AkteurInnen im Netz im Internet und fordern:

  • Einsetzung eines Ethikrates zum Thema Diskriminierung speziell von Frauen und Mädchen im Internet
  • Schaffung eines neuen Gesetzes gegen „Cybermobbing“
  • Betreiber und Anbieter von Webseiten und Social Media-Portalen, auch aus dem Ausland, müssen für materielle und immaterielle Schäden in Haftung genommen werden
  • Initiierung einer bundesweite Kampagne „Ächtung von Cyber-Sexismus und sexueller Belästigung im Internet“
  • mehr Beratungs- und Anlaufstellen für Frauen und Mädchen, die Opfer von Cybermobbing geworden sind
  • Schulungen für Polizei und Justiz

Zum Hintergrund
Cybermobbing ist eine weitere Form der Frauendiskriminierung. Gerade, wenn es um feministische und gleichstellungspolitische Äußerungen geht, um Quoten oder die Alltagsdiskriminierung von Frauen, laufen Männer Sturm und organisieren Hate Speeches, Shitstorms oder äußern sogar persönliche Bedrohungen gegen Leib und Leben. Viele von ihnen sind organisiert und wissen, dass sie keine Konsequenzen zu befürchten haben, denn die Anonymität im Netz gibt ihnen Schutz.

Bei diesen Belästigungen sind nahezu ausschließlich Frauen und Mädchen betroffen: Frauen, die mit geschlechterpolitischen bzw. feministischen Inhalten netzöffentlich in Erscheinung treten, sehen sich vielfach beleidigenden Online-Botschaften ausgesetzt, auch Vergewaltigung wird angedroht. Dies erleben Bloggerinnen und Journalistinnen, deren hauptsächliches Betätigungsfeld das Internet darstellt, sowie Politikerinnen und Wissenschaftlerinnen. Aber auch Gleichstellungsbeauftragte von Kommunen, die ebenfalls über das Internet zu erreichen sind.

Systematisch anonymen Drohungen ausgesetzt zu sein, erschwert es Frauen und Mädchen, das Internet gleichberechtigt zu nutzen, als weiblichen Raum zu erobern und damit eine Gegenöffentlichkeit im Netz herzustellen. Frauen, die Gewalt im Internet ausgesetzt sind, verlieren manchmal sogar ihre Existenz - gerade dann, wenn sie durch Kommunikation über das Internet ganz oder teilweise ihren Lebensunterhalt verdienen.

Und deshalb stellt die BAG die Frage: Mit welchem Netz wollen wir in Zukunft leben?

Im Internet und in den sozialen Medien müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet sein, dass Frauen und Männer sich ohne Angst vor Repressalien äußern können. Das geht nur, wenn Politik, Gesetzgeber und Betreiber von Kommunikationsdiensten Diskriminierung und Bedrohung nicht zulassen.

Petra Borrmann und Katrin Morof
für die Bundessprecherinnen


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