Papst Franziskus´ Äußerungen zu Homosexualität

01.08.2013  — Iris Bülow.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Der Papst hat auf seinem Rückweg von Rio de Janeiro nach Rom eine Pressekonferenz gegeben, in der er sich auch zu Homosexualität äußerte. Vollzieht sich in der katholischen Kirche ein Richtungswechsel?

Seit Tagen sorgen die Äußerungen von Papst Franziskus zu Homosexuellen für Gesprächsstoff. Aber hat das katholische Kirchenoberhaupt etwas ganz revolutionär Neues gesagt? Die Lehrmeinung der Kirche hat sich durch die jüngsten Äußerungen des Papstes keineswegs fundamental geändert. Nach wie vor werden homosexuelle Praktiken abgelehnt, ebenso wie auch Frauen weiterhin der Zugang zum katholischen Priestertum verwehrt bleiben soll. Schwule Geistliche würden Vergebung empfangen, ihre Sünden sollten ihnen vergessen werden, hatte Franziskus erklärt.

Von zentraler Bedeutung für Papst Franziskus ist die individuelle Suche der Menschen nach Gott: "Wenn jemand homosexuell ist und guten Willens nach Gott sucht, wer bin ich, darüber zu urteilen?", sagte Franziskus vor Journalisten auf dem Rückflug von Rio de Janeiro. Wie die Kirche mit praktizierenden Schwulen und Lesben umgehen sollte, dazu äußerte sich der Pontifex nicht. Konservative Katholiken betonen, dass Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI. inhaltlich vollständig übereinstimmten. Damit liegen sie zwar wohl richtig – trotzdem hat Papst Franziskus mit seiner jüngsten Äußerung eine andere Qualität in die Diskussion der katholischen Kirche um Homosexualität gebracht. Nicht Verbot und Trennendes stehen im Mittelpunkt der Debatte. Homosexuelle sollten nicht ausgegrenzt, sondern in die Gesellschaft integriert werden, forderte Franziskus.

Papst Benedikt XVI. hatte noch in einem Kirchendokument festgelegt, dass Männer mit homosexueller Neigung nicht ins Priesteramt treten dürften. Für Franziskus steht die Vergebung der Sünden dafür im Vordergrund.

Das ist zwar noch sehr weit entfernt von einer Anerkennung von Homosexualität als eine Normvariante. Doch spitzt man hier die Ohren, so könnte man auch heraushören, dass sich hier möglicherweise ein tiefergreifender Mentalitätswandel anbahnt.


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