Frauen haben 2017 die Wahl: „Gleiche Chancen für Frauen in der Wirtschaft endlich durchsetzen“

09.03.2017  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) e.V..

Anlässlich des Internationalen Frauentages warnt die Initiative FidAR e.V. davor, sich vom Erfolg der Frauenquote in Deutschland blenden zu lassen. Richtig ist: Nie waren so viele Frauen in Aufsichtsräten der DAX-Unternehmen vertreten. Dies ist zweifellos auch auf die seit 2015 gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote zurückzuführen.

Die Bilanz wird aber durch die bislang wenig ehrgeizigen Ziele eines Teils der Unternehmen getrübt, ambitionierte individuelle Zielgrößen für mehr Frauen in Aufsichtsräten, Vorständen und den zwei obersten Managementebenen festzulegen und umzusetzen. Die Antwort auf das fehlende Engagement bei den freiwilligen Zielgrößen könnte eine Ausweitung der festen Quote für Aufsichtsräte dieser Unternehmen nach der Bundestagswahl sein.

„Die Frauen haben 2017 in Deutschland die Wahl. Das Ziel muss sein, endlich mehr Frauen auf allen Führungsebenen der Wirtschaft durchzusetzen“, erklärt FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. „Der Druck der gesetzlichen Quote wirkt. Sie hat für eine deutlich messbare Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten gesorgt. Aber die Wirtschaft hat teils das Angebot des Gesetzgebers offenbar missverstanden, jenseits der Kontrollgremien der von der Quote betroffenen Unternehmen und hier vorrangig der DAX-Konzerne auf feste Vorgaben zu verzichten, sondern individuelle Zielgrößen angepasst auf die Unternehmenssituation zu ermöglichen.“

Die Bundesfrauenministerin hat im Rahmen der Vorlage des ersten Monitoringberichts zum Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) eine verbindliche Frauenquote für mehr Unternehmen als bisher gefordert. „Die feste Frauenquote ist eine reelle Option auch für die ca. 3.500 börsennotierten oder der Mitbestimmung unterliegenden Unternehmen, die derzeit lediglich selbst festgelegte Planziele veröffentlichen müssen“, so Schulz-Strelow. „Wer keinen Zuwachs beim Frauenanteil plant, wird diesen auch nicht erreichen. Bei der konkreten Verbesserung des Frauenanteils könnten die Unternehmen mehr Ehrgeiz zeigen. Sollte die freiwillige Verpflichtung weiterhin nicht greifen, helfen auch hier nur sanktionsbewehrte Vorgaben.“

Von den 106 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen, die unter die Quote für den Aufsichtsrat fallen, hatten Ende 2016 knapp zwei Drittel keine Frau im Vorstand und nannten als Wachstumsziel „Null“. Sie hatten – wie insgesamt ca. 3.500 weitere Unternehmen – zum September 2015 erstmals auch Zielgrößen für den Frauenanteil in Vorstand, Aufsichtsrat und den zwei obersten Managementebenen festlegen müssen. Letzter Stichtag für die Überprüfung der Ziele der ersten Runde ist der 30. Juni 2017. Ab diesem Zeitpunkt sind neue Zielgrößen vorzulegen, für deren Erreichung die Unternehmen dann maximal 5 Jahre Zeit haben.

„Null-Ziele sind keine motivierende Botschaft an die weiblichen Führungskräfte in den Unternehmen. Die nächste Runde der vorzulegenden Planzahlen muss den Willen widerspiegeln, die gleichberechtigte Teilhabe in den Spitzenpositionen der Wirtschaft umzusetzen“, betont Schulz-Strelow. „Unternehmen mit mehr als 50 Prozent Frauen in der Belegschaft, die sich mit 10 Prozent Frauenanteil im Management zufriedengeben, setzen völlig falsche Zeichen: Ihren Mitarbeiterinnen bedeuten sie, dass sie kaum Aufstiegschancen haben. Und im Wettbewerb um weibliche Führungskräfte signalisieren sie: Bei uns habt ihr wenig Chancen. Das wird sich mittelfristig rächen, nicht nur in Zeiten von Führungskräftemangel.“

Dabei ist sich die FidAR-Präsidentin mit Christine Lagarde, Managing Director des Internationalen Währungsfonds (IWF) einig. „Mehr Frauen in den Führungsgremien der Unternehmen sind die Voraussetzung dafür, die Potenziale der Frauen insgesamt besser zu nutzen“, bekräftigt Lagarde bei der Vorstellung des Talentpools von Frauen für Aufsichtsrats- und Vorstandspositionen der internationalen Initiative European Women on Boards (EWoB) in Brüssel anlässlich der Pressekonferenz der EU-Kommissarin Věra Jourová zum Internationalen Frauentag. „Nach IWF-Untersuchungen kann eine zusätzliche Frau im Board den Gewinn um bis zu 13 Punkte steigern“, so Lagarde. (Pressemitteilung EWoB).





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