Der Kater der Vielfalt: Diversity macht nicht nur Spaß

26.09.2019  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: herCAREER.

Der Feminist und Transformationsberater Robert Franken erzählt in seinem Vortrag „Der Kater der Vielfalt“ am 11. Oktober 2019 auf der herCAREER eine andere Geschichte von Diversity. Seine These: Vielfalt ist auch anstrengend und erfordert eine systemische Veränderung.

„Diversity ist anstrengend!“

Viele Unternehmen bekennen sich zu Vielfalt, veranstalten Diversity-Tage oder schicken ihre Mitarbeiter zu Unconsious-Bias-Trainings. Dabei verändern sie jedoch zu selten die Systeme, die noch immer viele Menschen benachteiligen, meint der Feminist, Transformationsberater und herCAREER-Akteur Robert Franken. Seine These, was viele Arbeitgeber von einer echten Kursänderung abhält: Eine bunte Belegschaft macht nicht nur Spaß.

„Der Wirbel um Diversity ist häufig viel Show. Gerade die Unternehmen, von denen man nichts dazu hört, sind bei dem Thema meist am weitesten“, sagt Robert Franken. Viele Arbeitgeber*innen glaubten, dass ein paar bunte Veranstaltungen an Diversity-Tagen, isolierte Unconsious-Bias-Trainings oder irgendwelche Verpflichtungserklärungen ausreichten, damit sich Vielfalt manifestiere. „Eine Regenbogenfahne in die Hand zu nehmen und schöne Fotos zu machen, ist nur ein oberflächliches Bekenntnis.“

Angesichts der schmerzlichen Erkenntnis, dass es mehr braucht als das, spricht Robert Franken vom „Kater der Vielfalt“. „Vielfalt ist schon längst da und Unternehmen müssen dafür sorgen, dass sie in Wirkung kommt“, so der Feminist. Es gehe darum, diejenigen zu inkludieren, die nicht unbedingt der Norm entsprechen. Das sei anstrengend und mache nicht immer Spaß. Man müsse an die Systeme ran, die bestimmte Monokulturen bevorzugen. „Da ist mit Widerständen zu rechnen.“ Man müsse sich die Mühe machen, den unmittelbaren organisationalen Kontext zu verstehen und welche Menschen dort am Wirken seien.

Die Schwierigkeit für Unternehmen bestehe darin, dass sie einerseits bestimmte Regeln bräuchten und gleichzeitig Grenzen und Handlungsspielräume immer mehr erweitern müssten, „ohne dass ihnen alles um die Ohren fliegt“. „Das ist ein tagtäglicher Kampf und dazu gehört sehr viel Frustrationstoleranz, Führungsstärke, Innovationsfähigkeit und Demut.“

Diversity sei eine der entscheidenden Strategien auf dem Weg in eine digitale Zukunft und in eine große Transformation. Um die Komplexität halbwegs bewältigen zu können, bräuchten Unternehmen verschiedene Blickwinkel. „Monokulturen seien viel gefährdeter, weil wichtige Perspektiven fehlen. Außerdem sind viele Individuen dann mit Anpassungsleistungen beschäftigt und können nicht für die Organisation produktiv werden oder zumindest nicht ihre maximale Leistung abrufen.“

„Das Bewusstsein von Privilegien ist ein entscheidender Schlüssel zur Veränderung“, so Franken. Menschen, die wenig Anpassungsleistung zu verbringen hätten, nähmen die der anderen meist gar nicht wahr. „Selbst, wenn ich als Mann versuche, nicht Teil dieses Problems zu sein, so profitiere ich doch trotzdem davon, dass es so ist. Diesen Mechanismus anzuerkennen, bedarf einer Menge Empathiefähigkeit.“ Viele Männer reagierten gereizt, wenn man sie auf ihre Privilegiertheit anspreche. Gerade Männern, für die Karriere oft die einzige Option auf gesellschaftliche Anerkennung sei, müsse man klarmachen, dass sich durch Vielfalt auch ihr Repertoire erweitere. „Das könnte den Weg ebnen, dass Männer Teil der Lösung werden wollen, anstatt in eine Verteidigungshaltung zu fallen.“

In seinem Vortrag „Der Kater der Vielfalt – über Privilegien und Anpassung“ vertieft Robert Franken seinen systemischen Diversity-Ansatz am Freitag, 11. Oktober, um 10.30 Uhr direkt vor Ort auf der herCAREER in München. Außerdem können Besucher*innen ihn beim MeetUp zum Thema „Diversity & Inclusion – zwischen Buzzword und Strategie“ am Freitag, 11. Oktober, um 12.15 Uhr auf der Messe erleben. Bereits am ersten Messetag, Donnerstag, 10. Oktober, um 16.45 Uhr moderiert er die Podiumsdiskussion „Frauen kümmern sich, Männer machen Karriere – über Rahmenbedingungen für Engagement“, unter anderem mit PD Dr. Elke Holst vom DIW Berlin, und Eva Lettenbauer, Stv. Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag und ist außerdem am Abend als Table Captain auf der herCAREER@Night zu Gast.

Über die Person

Robert Franken ist Digital & Diversity Consultant, Equality Consulting, Digitaler Potenzialentfalter und Gründer der Initiative Male Feminists Europe. Er unterstützt Unternehmen bei Positionierung, Strategie und digitalem Wandel. Einer seiner Beratungsschwerpunkte sind Organisationskulturen. Er setzt sich für Diversity und Gender Equality ein und hat u. a. die Plattform „Male Feminists Europe“ mitgegründet. Auf seinem Blog „Digitale Tanzformation“ schreibt der ehemalige CEO von Chefkoch.de und urbia.de über wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven der digitalen Transformation und über die Frage, welche systemischen Rahmenbedingungen den (nicht nur) digitalen Wandel hemmen oder beschleunigen können. Robert Franken ist Beirat von PANDA, der Competition für weibliche Führungskräfte. Und seit dem 8. März 2018 ist er einer der vier ehrenamtlichen Botschafter für #HeForShe Deutschland.





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