Christopher Street Day: Höchste Zeit für die Öffnung der Ehe und eine Wiedergutmachung für die Opfer des §175

06.07.2015  — Online-Redaktion Verlag Dashöfer.  Quelle: Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, hat die Bundesregierung anlässlich des Christopher Street Days zur Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule und zu einer schnellen Rehabilitierung aller Opfer des Paragrafen 175 aufgefordert.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, hat die Bundesregierung anlässlich des Christopher Street Days zur Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule und zu einer schnellen Rehabilitierung aller Opfer des Paragrafen 175 aufgefordert.

„Ein sichtbares Zeichen für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung ist überfällig“, sagte Lüders. „Menschen, die sich lieben, dürfen in den meisten Ländern der westlichen Welt heiraten - in Deutschland dagegen nicht. Dafür kann niemand auch nur ein einziges überzeugendes Argument vorbringen.“ Lüders rief die Abgeordneten des Bundestages zu einem überparteilichen Gruppenantrag zur „Ehe für alle“ auf. „Die Debatte der vergangenen Wochen hat gezeigt, dass es in allen Parteien Abgeordnete gibt, die die Öffnung der Ehe mittragen“, sagte Lüders.

Zugleich rief Lüders dazu auf, die Opfer des Paragrafen 175 zu rehabilitieren und zu entschädigen. „Es ist kaum zu fassen, dass Deutschland dieses Unrecht immer noch nicht wiedergutgemacht hat“, sagte sie. „Der im Kaiserreich erlassene und erst 1994 abgeschaffte § 175 ist ein Makel der Rechtsgeschichte. Er hat die Menschenrechte und die Menschenwürde missachtet und verletzt.“

Etwa 50.000 homosexuelle Männer wurden in der jungen Bundesrepublik aufgrund des §175 verurteilt. „Der Unrechtsparagraf schadete nicht nur den Verurteilten: Er sorgte dafür, dass Generationen schwuler Männer sich versteckten, dass sie Angst hatten vor gesellschaftlicher Ausgrenzung und beruflicher Vernichtung“, sagte Lüders. Diese Menschen müssten noch zu ihren Lebzeiten eine Wiedergutmachung erfahren.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ist mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im August 2006 gegründet worden. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Der Christopher Street Day geht zurück auf den 28. Juni 1969, als die Besucherinnen und Besucher einer Bar in der New Yorker Christopher Street Widerstand gegen Polizeigewalt leisteten. Dieser Tag gilt als Geburtsstunde der neuen Bürgerrechtsbewegung von Lesben, Schwulen und Trans*Personen.




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