Werbungskostenersatz

Entgeltabrechnung [ Stand: 22.11.2016 ]
Autor: Volker Hartmann
Quelle: Verlag Dashöfer GmbH
Steuerexperte Volker Hartmann klärt Sie über Werbungskostenerstattung durch den Arbeitgeber auf.

Wenn ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern Werbungskosten erstattet, handelt es sich grundsätzlich um Arbeitslohn, der sowohl der Lohnversteuerung als auch der Verbeitragung zur Sozialversicherung zu unterwerfen ist. Lediglich bei der Erstattung von Reisekosten, Umzugskosten bzw. bei der Erstattung von Aufwendungen im Rahmen der doppelten Haushaltsführung brauchen keine lohnsteuerlichen und sozial­versicherungs­rechtlichen Konsequenzen gezogen zu werden. Diese Werbungskosten können also steuerfrei erstattet werden.

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Weil es in der Praxis regelmäßig vorkommt, dass Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern Werbungskosten erstatten, kommt es entsprechend häufig zu Beanstandungen bei Lohnsteueraußenprüfungen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass es sich mangels unmittelbarer steuerlicher Auswirkung eher um ein akademisches als um ein steuerliches Problem handelt.

Definition Werbungskosten

Werbungskosten sind nach Maßgabe von § 9 Absatz 1 EStG Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen. Diese Aufwendungen kann ein Arbeitnehmer grundsätzlich im Rahmen seiner persönlichen Einkommensteuererklärung als Werbungskosten steuermindernd geltend machen. System­bedingt ergibt sich eine steuerliche Auswirkung hierbei regelmäßig nur in Höhe des persönlichen Steuersatzes des Arbeitnehmers.

Daher ist es für Arbeitnehmer grundsätzlich vorteilhaft, sich die berufsbezogenen Aufwendungen vom Arbeitgeber erstatten zu lassen.

Werbungskostenerstattung durch den Arbeitgeber

Wenn ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern Werbungskosten erstattet, handelt es sich zunächst um steuerpflichtigen Arbeitslohn, der im Rahmen der Lohn- und Gehaltsabrechnung der Lohnversteuerung zu unterwerfen ist. Im Ergebnis sind vom Arbeitnehmer zunächst Steuerabzugsbeträge zu entrichten.

Neutralisierung bei Einkommensteuererklärung

Wenn der Arbeitnehmer im Folgejahr seine Steuererklärung macht, kann er seine berufsbezogenen Aufwendungen als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit geltend machen. Dadurch wird die Lohnversteuerung im Rahmen der Lohn- und Gehaltsabrechnung quasi rückgängig gemacht. Unter dem Strich ergibt sich für den Arbeitnehmer grundsätzlich keine steuerliche Belastung. Dies gilt jedoch nur dann, wenn der Arbeitnehmer Werbungskosten hat, die den Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro übersteigen.

Eine definitive steuerliche Mehrbelastung tritt in Ausnahmefällen immer dann ein, wenn der Arbeitnehmer keine oder nur geringe Werbungskosten hat.

Zuwendungen im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers

Steuerlich vorteilhaft ist, wenn es sich bei den Aufwendungen um sog. Zuwendungen im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers handelt. Wenn es sich um Zuwendungen im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers handelt und private Interessen des Arbeitnehmers gänzlich ausscheiden bzw. von untergeordneter Bedeutung sind, handelt es sich um Aufwendungen, die dem Arbeit­geber zuzurechnen sind.

Wesentliche Voraussetzung für die Anerkennung von Zuwendungen im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers ist, dass der Arbeitgeber „Besteller“ ist und ein unmittelbarer konkreter Leistungs­austausch zwischen dem Arbeitgeber und dem Lieferanten bzw. dem Dienstleister besteht.

Welche Schwierigkeiten bei der Abgrenzung zwischen Werbungskostenersatz als Arbeitslohn einerseits und Zuwendungen im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers andererseits bestehen, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe.


Der Autor:

Volker Hartmann

Volker Hartmann ist Diplom-Finanzwirt, Lohnsteueraußenprüfer und Betriebsprüfer im aktiven Dienst der Hamburger Finanzverwaltung. Volker Hartmann hat langjährige Prüfungs­erfahrungen, insbesondere bei Kapitalgesellschaften aller Branchen und Größen. Er ist seit vielen Jahren Referent und Autor beim Verlag Dashöfer. Seine Seminare zeichnen sich durch eine besondere Praxisnähe aus.

Hier finden Sie die aktuellen Seminartermine von Volker Hartmann.


§ 9 – Werbungskosten
(1) 1Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. 2Sie sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie erwachsen sind. 3Werbungskosten sind auch
1
Schuldzinsen und auf besonderen Verpflichtungsgründen beruhende Renten und dauernde Lasten, soweit sie mit einer Einkunftsart in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen. 2 Bei Leibrenten kann nur der Anteil abgezogen werden, der sich nach § 22 Nummer 1 Satz 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe bb ergibt;
2
Steuern vom Grundbesitz, sonstige öffentliche Abgaben und Versicherungsbeiträge, soweit solche Ausgaben sich auf Gebäude oder auf Gegenstände beziehen, die dem Steuerpflichtigen zur Einnahmeerzielung dienen;
3
Beiträge zu Berufsständen und sonstigen Berufsverbänden, deren Zweck nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist;
4
Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte. 2 Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die regelmäßige Arbeitsstätte aufsucht, eine Entfernungspauschale für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte von 0,30 Euro anzusetzen, höchstens jedoch 4 500 Euro im Kalenderjahr; ein höherer Betrag als 4 500 Euro ist anzusetzen, soweit der Arbeitnehmer einen eigenen oder ihm zur Nutzung überlassenen Kraftwagen benutzt. 3 Die Entfernungspauschale gilt nicht für Flugstrecken und Strecken mit steuerfreier Sammelbeförderung nach § 3 Nummer 32. 4 Für die Bestimmung der Entfernung ist die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte maßgebend; eine andere als die kürzeste Straßenverbindung kann zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig für die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte benutzt wird. 5 Nach § 8 Absatz 3 steuerfreie Sachbezüge für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte mindern den nach Satz 2 abziehbaren Betrag; ist der Arbeitgeber selbst der Verkehrsträger, ist der Preis anzusetzen, den ein dritter Arbeitgeber an den Verkehrsträger zu entrichten hätte. 6 Hat ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen, so sind die Wege von einer Wohnung, die nicht der regelmäßigen Arbeitsstätte am nächsten liegt, nur zu berücksichtigen, wenn sie den Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird;
5
notwendige Mehraufwendungen, die einem Arbeitnehmer wegen einer aus beruflichem Anlass begründeten doppelten Haushaltsführung entstehen, und zwar unabhängig davon, aus welchen Gründen die doppelte Haushaltsführung beibehalten wird. 2 Eine doppelte Haushaltsführung liegt nur vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Beschäftigungsort wohnt. 3 Aufwendungen für die Wege vom Beschäftigungsort zum Ort des eigenen Hausstands und zurück (Familienheimfahrten) können jeweils nur für eine Familienheimfahrt wöchentlich abgezogen werden. 4 Zur Abgeltung der Aufwendungen für eine Familienheimfahrt ist eine Entfernungspauschale von 0,30 Euro für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen dem Ort des eigenen Hausstands und dem Beschäftigungsort anzusetzen. 5 Nummer 4 Satz 3 bis 5 ist entsprechend anzuwenden. 6 Aufwendungen für Familienheimfahrten mit einem dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer Einkunftsart überlassenen Kraftfahrzeug werden nicht berücksichtigt;
6
Aufwendungen für Arbeitsmittel, zum Beispiel für Werkzeuge und typische Berufskleidung. 2 Nummer 7 bleibt unberührt;
7
Absetzungen für Abnutzung und für Substanzverringerung und erhöhte Absetzungen. 2 § 6 Absatz 2 Satz 1 bis 3 ist in Fällen der Anschaffung oder Herstellung von Wirtschaftsgütern entsprechend anzuwenden.
(2) 1Durch die Entfernungspauschalen sind sämtliche Aufwendungen abgegolten, die durch die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte und durch die Familienheimfahrten veranlasst sind. 2Aufwendungen für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel können angesetzt werden, soweit sie den als Entfernungspauschale abziehbaren Betrag übersteigen. 3Behinderte Menschen,
1
deren Grad der Behinderung mindestens 70 beträgt,
2
deren Grad der Behinderung weniger als 70, aber mindestens 50 beträgt und die in ihrer Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt sind,können anstelle der Entfernungspauschalen die tatsächlichen Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte und für die Familienheimfahrten ansetzen. 4Die Voraussetzungen der Nummern 1 und 2 sind durch amtliche Unterlagen nachzuweisen.
(3) Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 und 5 und Absatz 2 gelten bei den Einkunftsarten im Sinne des § 2 Absatz 1 Satz 1 Nummer 5 bis 7 entsprechend.
(4) (weggefallen)
(5) 1§ 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 1 bis 5, 6b bis 8a, 10, 12 und Absatz 6 sowie § 9c Absatz 1 und 3 gelten sinngemäß. 2§ 6 Absatz 1 Nummer 1a gilt entsprechend.
() Fußnote § 9: Zur Anwendung vgl. § 52 Abs. 12, 23d 1