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Wege ins Ausland

Umsatzsteuer [ Stand: 01.02.2018 ]
Autor: Cliff Einenkel
Quelle: Verlag Dashöfer GmbH
Steuerliche Kriterien für die Gründung einer Betriebsstätte oder einer Tochterkapitalgesellschaft

Steuerliche Kriterien für die Gründung einer Betriebsstätte oder einer Tochterkapitalgesellschaft

Durch die Herausforderungen der Globalisierung ist zu beobachten, dass immer mehr mittelständische Unternehmen den Schritt ins Ausland wagen. Die Motivation für diese Unternehmen ist breit gefächert:

  • Markterweiterung,

  • Fachkräfte Gewinnung,

  • steuerliche Anreize,

  • Kosteneinsparungen,

  • Bürokratie Entlastung.

Diese Aufzählung ist nicht als abschließend anzusehen. Mit dem Schritt ins Ausland stellt sich die Frage, in welcher Organisationsform das Auslandsarrangement gestaltet werden soll. Im Allgemeinen wird die Auffassung vertreten, dass eine Betriebsstätte* kostengünstiger und einfacher zu errichten ist, als eine eigenständige Tochtergesellschaft. Diese Behauptung ist jedoch nicht mehr zeitgemäß. Es sollte beachtet werden, dass es immer länderspezifische Besonderheiten gibt und diese gilt es im Vorfeld auszumachen. Ferner sollte auch das Ziel des Auslandsarrangements klar sein (z. B. Vertrieb von Waren oder Fachkräftegewinnung). In bestimmten Situationen ist es im Ausland rechtlich nicht möglich, die gewünschten Ziele über eine Auslandsbetriebsstätte zu erreichen. Die Vor- und Nachteile sollten in einer Gegenüberstellung dargestellt werden um auf dieser Basis eine Entscheidung zu treffen.

Nachfolgender Beitrag beleuchtet die Eckpunkte unter steuerlichen Gesichtspunkten der Gründung einer Betriebsstätte bzw. Kapitalgesellschaft in Polen. Es wird nur auf die laufende Besteuerung eingegangen.

Die Besteuerung von ausländischen Betriebsstätten unterscheidet sich erheblich von Tochter-Kapitalgesellschaften. Jedes Land hat seine eigenen Spezifika und die Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) müssen im Vorfeld überprüft werden, sofern ein DBA abgeschlossen wurde.

Das Beispielunternehmen ist die D-GmbH. Diese möchte ihren Markt über die Grenzen hinaus nach Polen erweitern. Ferner wird beabsichtigt, Fachkräfte anzuwerben und auszubilden. Die ggf. entstanden Gewinne sollen nicht in Polen bleiben sondern in Deutschland an die Gesellschafter ausgeschüttet werden. Für den Fall der Gründung einer Kapitalgesellschaft, soll diese 100% Tochter der D-GmbH sein.

Deutschland hat mit Polen ein DBA abgeschlossen.

Kapitalgesellschaft

Allgemeines

Die Sp. Z o.o. ist die polnische Variante der deutschen GmbH und ist in den Grundzügen zivilrechtlich vergleichbar. Jedoch sind Abweichungen vorhanden! Diese sind je nach Vorhaben zu ergründen.

Nachfolgende Aufzählungen beschreibt die wichtigsten Eckpunkte der Sp. Z o.o.:

  • Stammkapital 5.000,00 Zloty => ca. 1.200,00 Euro

  • Stammkapital kann durch Bareinlage oder Sacheinlage erfolgen

    Sacheinlagen sollten bewertet werden (wie in Deutschland)

  • Gründungskosten (Notar, Rechtsanwalt etc.) müssen vom Gesellschafter getragen werden (und nicht wie in Deutschland von der Gesellschaft).

  • Gründungskosten (ca. 8.100,00 Zloty => ca. 2.000 Euro)

  • Gesellschaft verfügt grundsätzlich über zwei Organe:

    Gesellschafterversammlung

    Vorstand

    Aufsichtsrat (optional)

  • Haftung des Vorstands bei Insolvenzverschleppung etc.

  • Vorstand haftet mit GmbH gesamtschuldnerisch auch mit Privatvermögen; Verjährung setzt erst nach 10 Jahren ein

  • Durchgriffshaftung bei Insolvenzverschleppung

  • Eigenes Rechnungswesen und eigene Bilanzen

  • Haftungsbegrenzung

Wie bereits eingangs erwähnt, stellt dies nur die Eckpunkte dar. Je nach Vorhaben sollte rechtliche Beratung eingeholt werden.

Besteuerung in Polen

Die Sp. Z o.o. unterliegt als eigenständiges Steuersubjekt der unbeschränkten Körperschaftsteuerpflicht in Polen. Im Gegensatz zur Betriebsstätte ergeben sich keine Abgrenzungsprobleme hinsichtlich des Besteuerungsregimes.

Die D-GmbH begründet keine Steuerpflicht in Polen. Nur bei dem Bezug von Dividenden oder Einkünften aus Lizenzen und Zinsen hat die D-GmbH ggf. eine beschränkte Steuerpflicht in Polen.

Der steuerliche Gewinn wird nach polnischem Steuerrecht ermittelt und der Besteuerung unterworfen. Der Körperschaftsteuersatz beträgt einheitlich 19 Prozent. Polen erhebt keine Gewerbesteuer auf den Gewinn.

Als Besonderheit des polnischen Steuerrechts ist die eingeschränkte Verlustnutzung zu benennen.

Verlustvorträge sind bis maximal 5 Jahre nutzbar. Nach Ablauf der 5 Jahre verfällt der Verlust und kann nicht mehr mit Gewinnen verrechnet werden.

Ferner kann ein Verlustvortrag nur zu 50 Prozent mit laufenden Gewinnen verrechnet werden. Ein Verlustrücktrag ist nicht möglich.

Besteuerung in Deutschland

Dividenden

Grundsätzlich hat Deutschland das uneingeschränkte Besteuerungsrecht für Dividenden.*

Im Artikel 10 Abs. 2 wird Polen ein beschränktes Besteuerungsrecht eingeräumt.* Die D-GmbH wird somit mit Ihren Einkünften von der P-Sp. Z o.o. beschränkt Steuerpflichtig in Polen im Fall einer Gewinnausschüttung. Ferner ist grundsätzlich ein Quellensteuerabzug von 5 Prozent gem. Artikel 10 Abs. 2 a vorgesehen.

Durch die Mutter-/Tochter-Richtlinie 90/435/EWG ist vorgesehen, dass bei Bestehen einer Mindestbeteiligungshöhe von 10 Prozent und einer Beteiligungsdauer von mindestens 24 Monaten kein Quellensteuerabzug vorgenommen werden muss.

Die Gewinne der polnischen Tochtergesellschaft unterliegen erst dann der Besteuerung in Deutschland, wenn die D-GmbH die Ausschüttung der Gewinne an sich beschließt. Somit kann der Besteuerungszeitpunkt als auch die Besteuerungshöhe von der D-GmbH frei gewählt werden.

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