Steuerermäßigungen für Handwerkerarbeiten außerhalb des Haushalts - geht das?

dasFiBuWissen-News [ Stand: 23.10.2018 ]
Autor: Online-Redaktion Verlag Dashöfer
Quelle: Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V.
Ist das Reparieren eines Hoftors in einer Tischlerei-Werkstatt eine haushaltsbezogene Handwerkerleistung, deren Kosten steuerlich geltend gemacht werden können? Darüber wird noch gestritten. Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. erklärt die Hintergründe und liefert Praxistipps für die Steuererklärung.
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Der Sachverhalt ist schnell geklärt: Handwerker montieren ein reparaturbedürftiges Hoftor ab, um es in der Werkstatt zu richten und dann wieder einzubauen. Anschließend erkennt das Finanzamt die im Zusammenhang mit den Werkstattarbeiten entstandenen Kosten nicht an, da diese nicht im Haushalt stattfanden. Der Fall kommt vor das Finanzgericht (FG) Berlin-Brandenburg. Das Urteil (Az. 12 K 12040/17) besagt sinngemäß: Auch Handwerkerleistungen, die nicht direkt im Haushalt erbracht werden, können steuerbegünstigt sein, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Zwei Punkte sind dabei wichtig:

  • Das FG Berlin-Brandenburg legt die Formulierung „im Haushalt“ räumlich-funktional aus. Das bedeutet den VLH-Experten zufolge, dass die Haushaltsgrenzen nicht allein durch die Grundstücksgrenzen definiert werden.
  • Kosten für Handwerkerleistungen außerhalb der Grundstücksgrenzen sind absetzbar, wenn diese Tätigkeiten im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang mit dem Haushalt durchgeführt werden und dem Haushalt zugutekommen. Diese Voraussetzungen sind laut FG-Urteil bei dem in der Werkstatt reparierten Hoftor gegeben. Für das Gericht ist also entscheidend, dass der Erfolg der jeweiligen Handwerkerleistung im Haushalt des Steuerpflichtigen eintritt – nicht wo die Handwerkertätigkeit ausgeführt wurde.

Gegen das Urteil des FG Berlin-Brandenburg hat das Finanzamt Revision eingelegt. Diese wird beim Bundesfinanzhof (BFH), dem obersten deutschen Gericht für Steuer- und Zollsachen, unter Az. VI R 4/18 geführt. Bleibt die Frage: Wie sollen sich unter den gegebenen Umständen Steuerzahler in ähnlich gelagerten Fällen verhalten?

Praxistipps: Kosten für haushaltsbezogene Werkstattarbeiten geltend machen

Folgendes Vorgehen ist zu empfehlen:

  • Laut VLH-Experten sollten Steuerzahler für Handwerkertätigkeiten, die in der Werkstatt erbracht wurden, Steuerermäßigungen im Sinne des § 35a Abs. 3 EStG beantragen, falls diese Leistungen im direkten räumlichen Zusammenhang mit dem Haushalt stehen.
  • Erfolgt eine solche Beantragung, so empfehlen die VLH-Fachleute, ab dem Veranlagungszeitraum 2017 eine entsprechende Erläuterung in das Freitextfeld der Steuererklärung einzutragen. Für frühere Veranlagungszeiträume kann ein entsprechender Hinweis auf einer Anlage zur Einkommensteuererklärung – etwa auf dem Anschreiben zur Belegübersendung – erfolgen. In einer solchen Erläuterung sollten der geltend gemachte Betrag und der ausführende Handwerksbetrieb erwähnt werden. Verweise auf den zugrundeliegenden § 35a Abs. 3 EStG und auf das beim BFH anhängige Revisionsverfahren mit Aktenzeichen Az. VI R 4/18 sind ebenfalls wichtig.
  • Falls der Fiskus die beantragte Steuerermäßigung mit Verweis auf die nicht im Haushalt erbrachte Handwerkerleistung ablehnt, raten die VLH-Fachleute, gegen den jeweiligen Einkommensteuerbescheid Einspruch einzulegen. Auch dabei ist das beim BFH anhängige Revisionsverfahren samt Az. VI R 4/18 zu erwähnen. Anschließend ruht der Einspruch von Amts wegen, bis der BFH entschieden hat.



§ 35a – Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen
(1) Für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, bei denen es sich um eine geringfügige Beschäftigung im Sinne des § 8a des Vierten Buches Sozialgesetzbuch handelt, ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer, vermindert um die sonstigen Steuerermäßigungen, auf Antrag um 20 Prozent, höchstens 510 Euro, der Aufwendungen des Steuerpflichtigen.
(2) 1Für andere als in Absatz 1 aufgeführte haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse oder für die Inanspruchnahme von haushaltsnahen Dienstleistungen, die nicht Dienstleistungen nach Absatz 3 sind, ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer, vermindert um die sonstigen Steuerermäßigungen, auf Antrag um 20 Prozent, höchstens 4 000 Euro, der Aufwendungen des Steuerpflichtigen. 2Die Steuerermäßigung kann auch in Anspruch genommen werden für die Inanspruchnahme von Pflege- und Betreuungsleistungen sowie für Aufwendungen, die einem Steuerpflichtigen wegen der Unterbringung in einem Heim oder zur dauernden Pflege erwachsen, soweit darin Kosten für Dienstleistungen enthalten sind, die mit denen einer Hilfe im Haushalt vergleichbar sind.
(3) Für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, mit Ausnahme der nach dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW Förderbank geförderten Maßnahmen, ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer, vermindert um die sonstigen Steuerermäßigungen, auf Antrag um 20 Prozent, höchstens 1 200 Euro, der Aufwendungen des Steuerpflichtigen.
(4) 1Die Steuerermäßigung nach den Absätzen 1 bis 3 kann nur in Anspruch genommen werden, wenn das Beschäftigungsverhältnis, die Dienstleistung oder die Handwerkerleistung in einem in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum liegenden Haushalt des Steuerpflichtigen oder – bei Pflege- und Betreuungsleistungen – der gepflegten oder betreuten Person ausgeübt oder erbracht wird. 2In den Fällen des Absatzes 2 Satz 2 zweiter Halbsatz ist Voraussetzung, dass das Heim oder der Ort der dauernden Pflege in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum liegt.
(5) 1Die Steuerermäßigungen nach den Absätzen 1 bis 3 können nur in Anspruch genommen werden, soweit die Aufwendungen nicht Betriebsausgaben oder Werbungskosten darstellen oder unter § 9c fallen und soweit sie nicht als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt worden sind. 2Der Abzug von der tariflichen Einkommensteuer nach den Absätzen 2 und 3 gilt nur für Arbeitskosten. 3Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen nach Absatz 2 oder für Handwerkerleistungen nach Absatz 3 ist, dass der Steuerpflichtige für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten hat und die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist. 4Leben zwei Alleinstehende in einem Haushalt zusammen, können sie die Höchstbeträge nach den Absätzen 1 bis 3 insgesamt jeweils nur einmal in Anspruch nehmen.
() Fußnote § 35a: Zur Anwendung vgl. § 52 Abs. 50b 1