PwC-Studie: Deutsche Unternehmen kommen beim Working Capital nicht vom Fleck

dasFiBuWissen-News [ Stand: 20.10.2015 ]
Autor: Online-Redaktion Verlag Dashöfer
Quelle: PwC
Working-Capital-Quote hat sich 2014 in Deutschland verschlechtert / Cash-Reserven in Unternehmen auf Höchststand / Kleine Unternehmen nutzen Chancen des Working-Capital-Managements nur unzureichend

Deutsche Unternehmen könnten 57 Milliarden Euro an Kapital freisetzen, wenn sie ihr Umlaufvermögen effizient managten. Sie binden viel zu hohe Summen in der Lagerhaltung und warten häufig zu lange, bis ihre Rechnungen bezahlt sind. Die Working-Capital-Quote, also das im Umlaufvermögen gebundene Kapital im Verhältnis zum Umsatz, ist 2014 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr von 12,5 auf 12,9 Prozent gestiegen. Während Unternehmen weltweit Kapital im Umlaufvermögen effizienter einsetzen, um so ihre finanziellen Spielräume zu erweitern, stagniert in Deutschland die Entwicklung seit 2010. Ganz anders ist die Situation im Nachbarland Österreich, wo die Working-Capital-Quote in den vergangenen fünf Jahren um 26 Prozent zurückgegangen ist. In der Schweiz sind es immerhin sieben Prozent, wie die jährliche Studie „Bridging the Gap“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zum Working Capital in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region) zeigt.

„Deutsche Unternehmen schöpfen die Möglichkeiten des Working-Capital-Managements nicht voll aus“, sagt Rob Kortman, Partner und Experte für Working Capital bei PwC. „Das mag an dem derzeit relativ einfachen Zugang zu Krediten liegen oder an der Fähigkeit, sich durch die aktuell relativ hohe Ertragskraft aus eigener Kraft zu finanzieren. Working Capital ist jedoch die günstigste Form der Finanzierung, die Unternehmen noch immer viel zu selten nutzen. Die zusätzliche Liquidität könnte Wachstum, Investitionen oder Akquisitionen finanzieren oder die Verschuldung reduzieren.“

Vier Branchen können Fortschritte vorweisen

Vier von 15 Branchen konnten in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den vergangenen fünf Jahren Fortschritte beim Working Capital vorweisen. Dazu gehörten die Metallbranche, die Energiebranche, die industrielle Produktion und die Pharmabranche. Mit gezieltem Management lässt sich im Unternehmen gebundenes Kapital freisetzen. Wichtige Ansatzpunkte sind eine kürzere Vorratshaltung, das schnelle Eintreiben von Forderungen oder möglichst lange Laufzeiten für eigene Verbindlichkeiten.

Wie gut Unternehmen Kapital im Umlaufvermögen einsetzen, hängt auch von ihrer Größe ab. Die Studie zeigt, dass das Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen zunimmt: Weisen Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region) eine Working-Capital-Quote von 13 Prozent auf, liegt dieser Wert bei kleinen und mittelständischen Unternehmen mit weniger als 500 Millionen Euro bei 24,5 Prozent. Der Abstand hat sich in den vergangenen Jahren von 8,5 auf 11,5 Prozentpunkte zugenommen: „Der Handlungsbedarf ist besonders bei kleinen und mittelständischen Unternehmen enorm. Vor allem die durchschnittliche Lagerdauer von 98 Tagen ist bei diesen Betrieben viel zu groß. Bei großen Unternehmen beträgt sie dagegen nur 59 Tage. Mit einem effizienteren Lagermanagement können mittelständische Unternehmen ihren Finanzierungsbedarf also deutlich senken“, betont Kortman.

Große Unterschiede innerhalb einer Branche

Der Kapitalbedarf hängt auch entscheidend vom Sektor ab. So ist in der Pharmabranche in der DACH-Region die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer mit 106 Tagen am längsten. Doch wie die Studie zeigt, gibt es branchenintern erhebliche Unterschiede: So kommt das Pharma-Unternehmen mit der besten Performance auf eine Kapitalbindung von 75 Tagen, während das schlechteste einen Wert von 171 Tagen aufweist. Unternehmen, die beim Working-Capital-Management besonders erfolgreich sind, haben mehr Möglichkeiten, Cash zu generieren, um damit zukünftiges Wachstum zu finanzieren. Der deutliche Abstand zwischen Top-Performern und den schwächsten Unternehmen unterstreicht das Potenzial, das ein gutes Working-Capital-Management eröffnet.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.pwc.com/workingcapitalsurvey