Neues BMF-Schreiben zur Dienstwagenbesteuerung - Teil 1

dasFiBuWissen-News [ Stand: 03.05.2018 ]
Autor: Volker Hartmann
Quelle: Verlag Dashöfer GmbH
Des Deutschen liebstes Kind ist natürlich nicht das Kind, sondern das Auto. Das ist auch der Grund, warum das Auto im Steuerrecht eine bedeutende Rolle einnimmt. Weil es in den letzten Jahren diverse gerichtliche Auseinandersetzungen gab, die zu nicht unerheblichen Veränderungen bei einer Vielzahl von Zweifelsfragen geführt haben, hat das Bundesfinanzministerium am 04.04.18 ein neues Anwendungsschreiben herausgegeben.
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Die lohnsteuerliche Behandlung bei der Gestellung eines Dienstwagens durch den Arbeitgeber ist grundsätzlich gesetzlich in § 8 Absatz 2 Satz 2 bis 5 EStG.

Während wichtige Auslegungsfragen in den Lohnsteuerrichtlinien geregelt sind (vgl. R 8.1 Absatz 9 und 10 LStR) nimmt das BMF-Schreiben vom 04.04.18 zu den jüngsten Zweifelsfragen Stellung.

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einen Überblick über den Inhalt dieses neuen BMF-Schreibens geben.

1. Bereitschaftsdienst

Das BMF-Schreiben stellt klar, dass kein geldwerter Vorteil für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zu erfassen ist, wenn dem Arbeitnehmer ein betriebliches Kraftfahrzeug ausschließlich an den Tagen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte überlassen wird, an denen er dienstliche Fahrten von der Wohnung aus antreten oder beenden muss, z. B. beim Bereitschaftsdienst in Versorgungsunternehmen.

2. Mehrere Wohnungen

Wenn ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen hat, ist für die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte die Entfernung zur näher gelegenen Wohnung anzusetzen.

Bei Fahrten zu weiter entfernten Wohnungen ist ein zusätzlicher geldwerter Vorteil in Höhe von 0,002 % des inländischen Listenpreises für jeden zusätzlichen Kilometer zu erfassen.

3. Ausschließliche Nutzung für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte

Wenn das Fahrzeug ausschließlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und nicht für sonstige private Fahrten genutzt werden darf, ist die 0,03 %-Regelung unabhängig von der 1 %-Regelung selbständig anzuwenden.

Bitte beachten Sie die nachstehenden Regelungen zum Nutzungsverbot, zum Nutzungsverzicht und zur unbefugten Privatnutzung.

4. Einzelfallbezogener Ansatz der Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte

Alternativ zum pauschalbezogenen Wertansatz für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte in Höhe von 0,03% des Listenpreises pro Entfernungskilometer kann ein einzelfallbezogener Wertansatz erfolgen. Diese Regelung ist vorteilhaft für Arbeitnehmer, die ihre erste Tätigkeitsstätte nicht jeden Tag aufsuchen, z.B. Außendienstmitarbeiter.

Der einzelfallbezogene Wertansatz für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beläuft sich auf 0,002% des Listenpreises pro Entfernungskilometer und Einzelfahrt.

Dabei muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber monatlich eine schriftliche Erklärung abgeben, an welchen Tagen er den Firmenwagen tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt hat; die bloße Angabe der Anzahl der Tage reicht nicht aus.

Wenn der Arbeitnehmer das Fahrzeug kalendertäglich mehrmals für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte nutzt, z.B. im Bereitschaftsdienst, ist nur eine Fahrt zu erfassen.

Fortsetzung folgt!

Der Autor:

Volker Hartmann

Volker Hartmann ist Diplom-Finanzwirt, Lohnsteueraußenprüfer und Betriebsprüfer im aktiven Dienst der Hamburger Finanzverwaltung. Volker Hartmann hat langjährige Prüfungs­erfahrungen, insbesondere bei Kapitalgesellschaften aller Branchen und Größen. Er ist seit vielen Jahren Referent und Autor beim Verlag Dashöfer. Seine Seminare zeichnen sich durch eine besondere Praxisnähe aus.

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§ 8 – Einnahmen
(1) Einnahmen sind alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen und dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer der Einkunftsarten des § 2 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 bis 7 zufließen.
(2) 1Einnahmen, die nicht in Geld bestehen (Wohnung, Kost, Waren, Dienstleistungen und sonstige Sachbezüge), sind mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen. 2Für die private Nutzung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs zu privaten Fahrten gilt § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 entsprechend. 3Kann das Kraftfahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genutzt werden, erhöht sich der Wert in Satz 2 für jeden Kalendermonat um 0,03 Prozent des Listenpreises im Sinne des § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. 4Der Wert nach den Sätzen 2 und 3 kann mit dem auf die private Nutzung und die Nutzung zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entfallenden Teil der gesamten Kraftfahrzeugaufwendungen angesetzt werden, wenn die durch das Kraftfahrzeug insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis der privaten Fahrten und der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen werden. 5Die Nutzung des Kraftfahrzeugs zu einer Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung ist mit 0,002 Prozent des Listenpreises im Sinne des § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 für jeden Kilometer der Entfernung zwischen dem Ort des eigenen Hausstands und dem Beschäftigungsort anzusetzen; dies gilt nicht, wenn für diese Fahrt ein Abzug von Werbungskosten nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 3 und 4 in Betracht käme; Satz 4 ist sinngemäß anzuwenden. 6Bei Arbeitnehmern, für deren Sachbezüge durch Rechtsverordnung nach § 17 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch Werte bestimmt worden sind, sind diese Werte maßgebend. 7Die Werte nach Satz 6 sind auch bei Steuerpflichtigen anzusetzen, die nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen. 8Die oberste Finanzbehörde eines Landes kann mit Zustimmung des Bundesministeriums der Finanzen für weitere Sachbezüge der Arbeitnehmer Durchschnittswerte festsetzen. 9Sachbezüge, die nach Satz 1 zu bewerten sind, bleiben außer Ansatz, wenn die sich nach Anrechnung der vom Steuerpflichtigen gezahlten Entgelte ergebenden Vorteile insgesamt 44 Euro im Kalendermonat nicht übersteigen.
(3) 1Erhält ein Arbeitnehmer auf Grund seines Dienstverhältnisses Waren oder Dienstleistungen, die vom Arbeitgeber nicht überwiegend für den Bedarf seiner Arbeitnehmer hergestellt, vertrieben oder erbracht werden und deren Bezug nicht nach § 40 pauschal versteuert wird, so gelten als deren Werte abweichend von Absatz 2 die um 4 Prozent geminderten Endpreise, zu denen der Arbeitgeber oder der dem Abgabeort nächstansässige Abnehmer die Waren oder Dienstleistungen fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet. 2Die sich nach Abzug der vom Arbeitnehmer gezahlten Entgelte ergebenden Vorteile sind steuerfrei, soweit sie aus dem Dienstverhältnis insgesamt 1 080 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen.
() Fußnote § 8: Zur Anwendung vgl. § 52 Abs. 23c