Kein Geld an das Finanzamt verschenken

dasFiBuWissen-News [ Stand: 24.02.2015 ]
Autor: Online-Redaktion Verlag Dashöfer
Quelle: DATEV eG
Foto: Marike Smits / www.dashoefer.de
Steuererklärung bringt den meisten Steuerpflichtigen Rückerstattungen

Jahr für Jahr verschenken Verbraucher einige hundert Millionen Euro an das Finanzamt, weil sie auf ihre Steuererklärung und damit auf fällige Rückerstattungen verzichten. Steuerprogramme für den heimischen PC, Lohnsteuerhilfevereine und Steuerberater bieten Hilfe in Steuerfragen.

Noch haben Deutschlands Steuerzahler einige Monate Zeit, um ihre Steuererklärung für das Jahr 2014 beim Finanzamt abzugeben, aber vielen graut es schon davor. Auf bis zu zehn Prozent der mehr als 40 Millionen abhängig Beschäftigten schätzt die Deutsche Steuergewerkschaft die Zahl derjenigen, die keine Steuererklärung abgeben. Andere Schätzungen gehen von bis zu 25 Prozent und mehr aus.

Dabei bekamen die Bundesbürger nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt für ihre Einkommensteuererklärung in den vergangenen Jahren rund 500 Euro zurück, bei den Nutzern von Steuersoftware waren es über 1.400 Euro und bei einer professionellen Steuererklärung durch einen Steuerberater sogar noch mehr. Die Investition für die Anschaffung einer aktuellen Steuersoftware oder der Gang zum Steuerberater kann sich also in jedem Fall lohnen.

Die gesetzliche Abgabefrist für die Einkommensteuererklärung endet mit dem 31. Mai des Folgejahres, im Jahre 2015 also erst am Montag, den 1. Juni 2015. Eine Verlängerung ist möglich, wenn Steuerpflichtige einen Antrag beim Finanzamt stellen und eine Begründung geben. Eine Fristverlängerung bis zum 30. September des Jahres geht meist ohne Probleme. Ohne Antrag wird eine Fristverlängerung sogar bis zum 31. Dezember gewährt, wenn die Steuererklärung durch einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein angefertigt wird. Dann kann die Abgabe auf Antrag sogar bis zum 28. Februar des folgenden Jahres erfolgen.

Zahlreiche Arbeitnehmer sind nach § 46 EStG zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Demnach müssen sie eine Einkommensteuererklärung anfertigen, beispielsweise wenn monatliche Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug von mehr als 450 Euro vorliegen, wenn mehrere Arbeitslöhne nebeneinander bestehen, wenn also nach Lohnsteuerklasse VI abgerechnet wurde oder wenn Sonderzahlungen erfolgt sind, im selben Jahr der Arbeitgeber gewechselt wurde und der neue Arbeitgeber bei der Lohnsteuerberechnung die Werte des vorherigen Arbeitgebers nicht berücksichtigt hat. "Auch wenn die Ehe geschieden wurde oder ein Partner verstorben ist und einer der Ehegatten im selben Jahr wieder heiratet, muss eine Einkommensteuererklärung gemacht werden", ergänzt Manfred Dehler, Präsident der Steuerberaterkammer Nürnberg. Abgabepflichtig sind laut Dehler die Bundesbürger, auch wenn sie selbst kein Arbeitsentgelt beziehen, aber ihre Einkünfte über dem Grundfreibetrag liegen. Er beträgt 8.354 Euro im Jahr für 2014. Auch Selbstständige, deren Einkünfte darüber liegen, müssen also eine Einkommensteuererklärung abgeben.

Alle, die nicht gesetzlich zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, können sich freiwillig veranlagen lassen. Dieter Kempf, Vorstandsvorsitzender DATEV eG, meint: "Die freiwillige Abgabe einer Steuererklärung lohnt meist, wenn hohe Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen bestehen oder wenn zum Beispiel Handwerker und Dienstleister im Haushalt gearbeitet haben."

Ganz von allein machen sich Steuererklärungen allerdings auch heute nicht. Etwas Zeit und Geduld müssen Steuerpflichtige aufbringen, auch wenn ihnen beispielsweise die jährlich neuen Steuerprogramme viel Arbeit abnehmen und sie mit guten, verständlichen Fragen durch das Programm führen. Die Nutzer müssen sich aber darauf einstellen, dass sie beim komplexen Thema Steuern auch bei der besten Steuersoftware zahlreiche Fragen beantworten und Details erst einmal verstehen müssen.

Steuersoftware muss allerdings jedes Jahr neu gekauft werden. Nur die aktuellen Steuerprogramme sind mit allen gültigen Steuerregeln des neuen Jahres ausgestattet. Seit 2014 bieten die Finanzverwaltungen die Möglichkeit, die über den Steuerpflichtigen beim Finanzamt gespeicherten Daten im Rahmen der sogenannten vorausgefüllten Steuererklärung per Elster abzurufen und automatisch in die neue Steuererklärung zu übernehmen. Leider sind die Daten nicht so vollständig, dass die Erklärung damit erledigt wäre. Natürlich kann dann auch die fertige Steuerklärung wieder elektronisch ans Finanzamt übermittelt und der fertige Steuerbescheid kann zur Belegprüfung wieder in die Software importiert werden. Und über Musterformulare kann auch Einspruch eingelegt werden.

In der Regel überprüfen die Steuerprogramme auch die Plausibilität der Eingaben und berechnen sofort, ob es sich beispielsweise mehr lohnt, detaillierte Angaben in einem Bereich zu machen oder besser auf Pauschalbeträge zurückzugreifen.

Bei komplizierteren Steuerfällen oder speziellen Detailfragen, da sind sich Finanzexperten wie Verbraucherschützer einig, lohnt sich aber der Gang zum Steuerberater. Die Stiftung Warentest schrieb dazu: "Die Leistung eines Steuerberaters muss nicht teuer sein. Die Kosten hängen von der Art der Arbeit ab, die der Berater erbringt, und von den Vermögensverhältnissen des Steuerzahlers." Die Verbraucherschützer empfehlen, den richtigen Steuerberater vor Ort mit dem Suchservice der Bundesssteuerberaterkammer (www.bstbk.de) oder des deutschen Steuerberaterverbandes (www.dstv.de) ausfindig zu machen.

Auf jeden Fall sollten Steuerzahler auf eine Einkommensteuererklärung und die Steuerrückzahlungen in diesem Jahr nicht verzichten, raten Finanz- und Steuerexperten. Über die hohe Steuerlast ärgern sich die meisten Deutschen ohnehin immer mehr.

Nach der aktuellen Umfrage zur "Steuerkultur und Steuermoral in Deutschland 2014" vom Bund der Steuerzahler NRW halten 85 Prozent der Bundesbürger die Steuerlast für zu hoch. Das ist laut Bund der Steuerzahler der höchste Wert seit Ende der 1980er Jahre.

§ 46 – Veranlagung bei Bezug von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit
(1) (weggefallen)
(2) Besteht das Einkommen ganz oder teilweise aus Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit, von denen ein Steuerabzug vorgenommen worden ist, so wird eine Veranlagung nur durchgeführt,
1
wenn die positive Summe der einkommensteuerpflichtigen Einkünfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterwerfen waren, vermindert um die darauf entfallenden Beträge nach § 13 Absatz 3 und § 24a, oder die positive Summe der Einkünfte und Leistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, jeweils mehr als 410 Euro beträgt;
2
wenn der Steuerpflichtige nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn bezogen hat; das gilt nicht, soweit nach § 38 Absatz 3a Satz 7 Arbeitslohn von mehreren Arbeitgebern für den Lohnsteuerabzug zusammengerechnet worden ist;
3
wenn bei einem Steuerpflichtigen die Summe der beim Steuerabzug vom Arbeitslohn nach § 39b Absatz 2 Satz 5 Nummer 3 Buchstabe b bis d berücksichtigten Teilbeträge der Vorsorgepauschale größer ist als die abziehbaren Vorsorgeaufwendungen nach § 10 Absatz 1 Nummer 3 und Nummer 3a in Verbindung mit Absatz 4;
3a.
wenn von Ehegatten, die nach den §§ 26, 26b zusammen zur Einkommensteuer zu veranlagen sind, beide Arbeitslohn bezogen haben und einer für den Veranlagungszeitraum oder einen Teil davon nach der Steuerklasse V oder VI besteuert oder bei Steuerklasse IV der Faktor (§ 39f) eingetragen worden ist;
4
wenn auf der Lohnsteuerkarte eines Steuerpflichtigen ein Freibetrag im Sinne des § 39a Absatz 1 Nummer 1 bis 3, 5 oder 6 eingetragen worden ist; dasselbe gilt für einen Steuerpflichtigen, der zum Personenkreis des § 1 Absatz 2 gehört, wenn diese Eintragungen auf einer Bescheinigung nach § 39c erfolgt sind;
4a.
wenn bei einem Elternpaar, bei dem die Voraussetzungen des § 26 Absatz 1 Satz 1 nicht vorliegen,
a)
bis c) (weggefallen)
d)
im Fall des § 33a Absatz 2 Satz 6 das Elternpaar gemeinsam eine Aufteilung des Abzugsbetrags in einem anderen Verhältnis als je zur Hälfte beantragt oder
e)
im Fall des § 33b Absatz 5 Satz 3 das Elternpaar gemeinsam eine Aufteilung des Pauschbetrags für behinderte Menschen oder des Pauschbetrags für Hinterbliebene in einem anderen Verhältnis als je zur Hälfte beantragt.2
Die Veranlagungspflicht besteht für jeden Elternteil, der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit bezogen hat;
5
wenn bei einem Steuerpflichtigen die Lohnsteuer für einen sonstigen Bezug im Sinne des § 34 Absatz 1 und 2 Nummer 2 und 4 nach § 39b Absatz 3 Satz 9 oder für einen sonstigen Bezug nach § 39c Absatz 5 ermittelt wurde;
5a.
wenn der Arbeitgeber die Lohnsteuer von einem sonstigen Bezug berechnet hat und dabei der Arbeitslohn aus früheren Dienstverhältnissen des Kalenderjahres außer Betracht geblieben ist (§ 39b Absatz 3 Satz 2, § 41 Absatz 1 Satz 7, Großbuchstabe S);
6
wenn die Ehe des Arbeitnehmers im Veranlagungszeitraum durch Tod, Scheidung oder Aufhebung aufgelöst worden ist und er oder sein Ehegatte der aufgelösten Ehe im Veranlagungszeitraum wieder geheiratet hat;
7
wenn
a)
für einen unbeschränkt Steuerpflichtigen im Sinne des § 1 Absatz 1 auf der Lohnsteuerkarte ein Ehegatte im Sinne des § 1a Absatz 1 Nummer 2 berücksichtigt worden ist oder
b)
für einen Steuerpflichtigen, der zum Personenkreis des § 1 Absatz 3 oder des § 1a gehört, das Betriebsstättenfinanzamt eine Bescheinigung nach § 39c Absatz 4 erteilt hat; dieses Finanzamt ist dann auch für die Veranlagung zuständig;
8
wenn die Veranlagung beantragt wird, insbesondere zur Anrechnung von Lohnsteuer auf die Einkommensteuer. 2 Der Antrag ist durch Abgabe einer Einkommensteuererklärung zu stellen.
(3) 1In den Fällen des Absatzes 2 ist ein Betrag in Höhe der einkommensteuerpflichtigen Einkünfte, von denen der Steuerabzug vom Arbeitslohn nicht vorgenommen worden ist, vom Einkommen abzuziehen, wenn diese Einkünfte insgesamt nicht mehr als 410 Euro betragen. 2Der Betrag nach Satz 1 vermindert sich um den Altersentlastungsbetrag, soweit dieser den unter Verwendung des nach § 24a Satz 5 maßgebenden Prozentsatzes zu ermittelnden Anteil des Arbeitslohns mit Ausnahme der Versorgungsbezüge im Sinne des § 19 Absatz 2 übersteigt, und um den nach § 13 Absatz 3 zu berücksichtigenden Betrag.
(4) 1Kommt nach Absatz 2 eine Veranlagung zur Einkommensteuer nicht in Betracht, so gilt die Einkommensteuer, die auf die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit entfällt, für den Steuerpflichtigen durch den Lohnsteuerabzug als abgegolten, soweit er nicht für zuwenig erhobene Lohnsteuer in Anspruch genommen werden kann. 2§ 42b bleibt unberührt.
(5) Durch Rechtsverordnung kann in den Fällen des Absatzes 2 Nummer 1, in denen die einkommensteuerpflichtigen Einkünfte, von denen der Steuerabzug vom Arbeitslohn nicht vorgenommen worden ist, den Betrag von 410 Euro übersteigen, die Besteuerung so gemildert werden, dass auf die volle Besteuerung dieser Einkünfte stufenweise übergeleitet wird.
() Fußnote § 46: Zur Anwendung vgl. § 52 Abs. 55j