IMK: Rezessionsrisiko auf niedrigem Niveau halbiert - Rückgang von 19,7 auf 10,1 Prozent

dasFiBuWissen-News [ Stand: 25.10.2016 ]
Autor: Online-Redaktion Verlag Dashöfer
Quelle: Hans Böckler Stiftung
Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in nächster Zeit in eine Rezession gerät, ist während der vergangenen Wochen erneut gesunken. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Für den Zeitraum von Oktober bis Ende Dezember 2016 weist der IMK-Indikator, der die wichtigsten Informationen über die aktuelle Wirtschaftslage bündelt, eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 10,1 Prozent aus. Im September betrug das Rezessionsrisiko 19,7 Prozent. Gegenüber dem späten Frühjahr und dem Sommer, als die Rezessionswahrscheinlichkeit unter anderem durch die Unsicherheit rund um die Brexit-Abstimmung zeitweilig über 30 Prozent lag, haben sich die konjunkturellen Risiken damit deutlich reduziert. Das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarninstrument ordnet die Situation für die kommenden Monate in den „grünen Bereich“ (keine Rezessionsgefahr bei Werten unter 30 Prozent) ein.

Positiv wirke sich aktuell vor allem eine Aufhellung der Stimmungsindikatoren aus, erklärt IMK-Konjunkturexperte Dr. Thomas Theobald. Außerdem seien die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe zuletzt spürbar gestiegen. Da sich die Orders in den Monaten zuvor allerdings verhalten entwickelt hatten, bewerte der Indikator den aktuellen Anstieg noch nicht besonders stark. „Wir haben das Instrument so ausgerichtet, dass sich kurzfristige Entwicklungen weniger stark auswirken als nachhaltige Trends. Das schützt den Indikator davor, statistische Ausreißer überzubewerten. Es hängt jetzt davon ab, ob sich die positive Auftragsentwicklung fortsetzt“, erklärt Theobald. Ebenfalls wenig auf den aktuellen Indikatorwert hätten sich die Finanzmarktentwicklungen der allerletzten Zeit ausgewirkt. „Die Aktienkursrückgänge der letzten Wochen haben sich beispielsweise – gemessen an branchenübergreifenden Indizes – nur als vorübergehend herausgestellt“, sagt der Forscher.

Die neuen Indikatorwerte stützen die aktuelle Herbstprognose des IMK. Danach setzt sich der moderate Aufschwung in Deutschland weiter fort. Die Düsseldorfer Konjunkturforscher erwarten für dieses Jahr ein Wachstum von 1,9 Prozent und für 2017 von 1,3 Prozent, im Kern getragen von der starken Entwicklung beim privaten Konsum.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt dabei die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Frühwarnsystem signalisiert eine Rezession, wenn die Industrieproduktion über fünf Monate um mindestens ein Prozent schrumpft.

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.