Globales Privatvermögen wächst weltweit langsamer

dasFiBuWissen-News [ Stand: 14.06.2016 ]
Autor: Online-Redaktion Verlag Dashöfer
Quelle: The Boston Consulting Group GmbH
Vermögen privater Haushalte in Deutschland verhältnismäßig stabil - Deutschland auf Platz 5 weltweit - USA in unangefochtener Spitzenposition.

Das globale private Finanzvermögen ist 2015 um 5,2 Prozent auf insgesamt 168 Billionen US-Dollar gewachsen – deutlich langsamer als noch 2014 (+7,5 Prozent). Von der Verlangsamung des Vermögenswachstums sind weltweit alle Regionen mit Ausnahme Japans betroffen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des diesjährigen Reports Global Wealth 2016: Navigating the New Client Landscape der Boston Consulting Group (BCG).

Seit 16 Jahren analysiert BCG die Entwicklung der Vermögenswerte von Privatanlegern, die in Bargeld, Aktien, Wertpapieren oder Fonds angelegt sind, sowohl auf globaler als auch regionaler Ebene.

In Deutschland ist der Rückgang der Zuwachsrate bei den privaten Vermögen auf 4,0 Prozent im Jahr 2015 gegenüber 4,4 Prozent in 2014 im weltweiten Vergleich moderat ausgefallen. Für die nächsten Jahre wird mit einem stetigen jährlichen Zugewinn von 4,2 Prozent gerechnet. "Ursache für die Stabilität in Deutschland ist der geringere Aktienanteil an den Vermögen. Damit sind sie den Schwankungen der Aktienmärkte weniger ausgesetzt", sagt Ludger Kübel-Sorger, BCG Senior Partner und Experte für Vermögensmanagement. Zwei Drittel des deutschen Wachstums machen Spareinlagen aus.

Asien auf der Überholspur

Mit 13 Prozent haben asiatische Vermögen am stärksten zugelegt. Asien ist die einzige Region mit zweistelligem Wachstum (2014: 14 Prozent) und holt mit China als treibender Kraft auf. Schon 2017 werden die Asiaten voraussichtlich mit 45 Billionen US-Dollar Gesamtvermögen Europa überholen. Ihre starke Dynamik zieht die Region aus dem erwirtschafteten Neuvermögen, insbesondere durch gestiegene Haushaltseinkommen.

Das Wachstum privater Vermögen verringerte sich in Osteuropa und Nordamerika im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 5 Prozent. "Diese Regionen leiden besonders unter den ungünstigen Bedingungen an den Finanzmärkten", erläutert Kübel-Sorger.

Das Land mit dem größten privaten Finanzvermögen sind nach wie vor die USA (55,6 Billionen US-Dollar), gefolgt von China (18,2), Japan (13,6), Großbritannien (9,3) und schließlich Deutschland auf Platz 5 mit 6,1 Billionen US-Dollar.

Offshorezentren mit moderatem Wachstum

Das Offshorevermögen legte weltweit 2015 um 3 Prozent auf 10 Billionen US-Dollar zu, während es in Nordamerika, Westeuropa und Japan jeweils um 3 Prozent abnahm. Hongkong und Singapur sind mit ca. 10 Prozent pro Jahr die Offshorezentren mit den größten Zuwächsen. Größter Offshoreverwalter bleibt nach wie vor die Schweiz mit einem Marktanteil von etwa 25 Prozent.

Frauen investieren anders

An speziellen Servicemodellen für weibliche Investoren mangelt es bislang. BCG befragte 500 Vermögensberatungskunden und fand heraus, dass sich die Investitionskriterien von Frauen gravierend von denen männlicher Anleger unterscheiden. "Vermögensverwalter tun gut daran, sich besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einzustellen, denn Frauen besitzen bereits jetzt geschätzte 30 Prozent des globalen Vermögens – mit steigender Tendenz", empfiehlt Ludger Kübel-Sorger.

Zahl der Millionärshaushalte wird weiter zunehmen

Ein Prozent der Haushalte weltweit verfügen über 47 Prozent des gesamten Privatvermögens. In Deutschland teilten sich 2015 sämtliche Millionäre – 1,1 Prozent der Bevölkerung – 27,6 Prozent des Vermögens. 2020 wird der Anteil der Millionäre voraussichtlich 1,6 Prozent ausmachen, und sie werden 31,5 Prozent des Gesamtvermögens besitzen.

Die meisten Millionäre leben nach wie vor in Nordamerika. Die dortigen Millionärshaushalte halten zusammen über 63 Prozent des gesamten regionalen Vermögens.

Vermögensverwaltung muss individueller werden

"Banken und Vermögensverwaltungen stehen durch das etwas gebremste Wachstum des globalen Vermögens vor neuen Herausforderungen", prognostiziert Ludger Kübel-Sorger. "Sie müssen sich künftig noch viel stärker mit maßgeschneiderten Vermögensstrategien um ihre Kunden bemühen." Innovative digitale Analysemethoden zur Ermittlung von Kundenbedürfnissen und zur Entwicklung individueller Anlagestrategien werden bislang von Vermögensmanagern noch zu wenig genutzt. Häufig bleibt es bei Standardempfehlungen für grob segmentierte Kundengruppen. Das ergab eine weitere Benchmarkinganalyse von BCG, für die mehr als 130 Vermögensmanager befragt wurden.

Die BCG-Studie Global Wealth 2016: Navigating the New Client Landscape kann hier heruntergeladen werden.