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Erwerb eines Job-Bikes durch den Arbeitgeber

dasFiBuWissen-News [ Stand: 11.06.2019 ]
Autor: Volker Hartmann
Quelle: Verlag Dashöfer GmbH
Um die Umwelt durch Einführung der sog. Job-Bike-Regelung zu schonen und um den Klimaschutz zu verbessern, hat der Gesetzgeber sich eher komplizierte gesetzliche Regelungen ausgedacht.

Während der geldwerte Vorteil bei der Überlassung eines Job-Bikes durch den Arbeitgeber bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen lohnsteuerfrei sein kann, ist der Erwerb eines Job-Bikes vom Arbeitgeber bzw. von einem Dritten grundsätzlich der Lohnversteuerung zu unterwerfen. Daher sind beim Erwerb eines Job-Bikes in Leasingfällen nach Ablauf der Vertragslaufzeit wichtige Besonderheiten zu beachten.

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Erwerb eines Wirtschaftsgutes vom Arbeitgeber

Wenn ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer ein betriebliches Wirtschaftsgut verbilligt oder zu vergünstigten Konditionen übereignet, entsteht grundsätzlich ein geldwerter Vorteil, der sowohl der Lohnversteuerung als auch der Verbeitragung zur Sozialversicherung zu unterwerfen ist.

Bewertungsmaßstab für den geldwerten Vorteil ist grundsätzlich der Differenzbetrag zwischen dem tatsächlichen Entgelt, welches der Arbeitnehmer entrichtet und dem ortsüblichen Endpreis am Abgabeort, also dem um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreis am Abgabeort im Sinne des § 8 Absatz 2 Satz 1 EStG.

Vorstehende Regelung gilt auch dann, wenn ein Arbeitnehmer im Rahmen des Job-Bike-Leasings ein betriebliches Fahrrad zunächst von seinem Arbeitgeber least und dann nach Ablauf der Laufzeit des Leasing-Vertrags entweder unmittelbar vom Arbeitgeber oder von der Leasing-Gesellschaft erwirbt. Mit BMF-Schreiben vom 17.11.17 – Lohnsteuerliche Behandlung der Überlassung von (Elektro-)Fahrrädern an Arbeitnehmer in Leasingfällen – wird ausdrücklich klargestellt, dass ein evtl. Differenzbetrag als Arbeitslohn von dritter Seite der Lohnversteuerung zu unterwerfen ist. In diesem Zusammenhang entsteht ein geldwerter Vorteil immer dann, wenn dem Arbeitnehmer das Job-Bike zu vergünstigten Konditionen überlassen wird.

Ermittlung der lohnsteuerlichen Bemessungsgrundlage

Häufig wird bereits bei Vertragsabschluss ein voraussichtlicher bzw. verbindlicher Restwert des Job-Bikes vereinbart. Dieser vertraglich vereinbarte Restwert ist nicht zwangsläufig mit dem ortsüblichen Endpreis am Abgabeort gleichzusetzen. Als lohnsteuerliche Bemessungsgrundlage ist daher der Wert des Job-Bikes im Zeitpunkt der Übereignung auf den Arbeitnehmer zu ermitteln, also der Preis, den der Arbeitnehmer auf dem freien Markt entrichten müsste, wenn er das Job-Bike nicht von seinem Arbeitgeber erwerben würde.

Vereinfachungsregelung

Weil der o. g. ortsüblicher Endpreis am Abgabeort für den Arbeitgeber in der lohnsteuerlichen Praxis eher schwierig zu ermitteln ist, hat die Finanzverwaltung eine Vereinfachungsregelung ins Leben gerufen.

Im Rahmen dieser Vereinfachungsregelung nach Maßgabe des BMF-Schreibens vom 17.11.17 kann die lohnsteuerliche Bemessungsgrundlage nach 36 Monaten Nutzungsdauer mit 40 % der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des (Elektro-)Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer angesetzt werden. Die lohnsteuerliche Bemessungsgrundlage kann abweichend hiervon auch niedriger angesetzt werden, wenn der entsprechend niedrigere Wert nachgewiesen wird.

Der Autor:

Volker Hartmann

Volker Hartmann ist Diplom-Finanzwirt, Lohnsteueraußenprüfer und Betriebsprüfer im aktiven Dienst der Hamburger Finanzverwaltung. Volker Hartmann hat langjährige Prüfungs­erfahrungen, insbesondere bei Kapitalgesellschaften aller Branchen und Größen. Er ist seit vielen Jahren Referent und Autor beim Verlag Dashöfer. Seine Seminare zeichnen sich durch eine besondere Praxisnähe aus.

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§ 8 – Einnahmen
(1) Einnahmen sind alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen und dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer der Einkunftsarten des § 2 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 bis 7 zufließen.
(2) 1Einnahmen, die nicht in Geld bestehen (Wohnung, Kost, Waren, Dienstleistungen und sonstige Sachbezüge), sind mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen. 2Für die private Nutzung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs zu privaten Fahrten gilt § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 entsprechend. 3Kann das Kraftfahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genutzt werden, erhöht sich der Wert in Satz 2 für jeden Kalendermonat um 0,03 Prozent des Listenpreises im Sinne des § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. 4Der Wert nach den Sätzen 2 und 3 kann mit dem auf die private Nutzung und die Nutzung zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entfallenden Teil der gesamten Kraftfahrzeugaufwendungen angesetzt werden, wenn die durch das Kraftfahrzeug insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis der privaten Fahrten und der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen werden. 5Die Nutzung des Kraftfahrzeugs zu einer Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung ist mit 0,002 Prozent des Listenpreises im Sinne des § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 für jeden Kilometer der Entfernung zwischen dem Ort des eigenen Hausstands und dem Beschäftigungsort anzusetzen; dies gilt nicht, wenn für diese Fahrt ein Abzug von Werbungskosten nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 3 und 4 in Betracht käme; Satz 4 ist sinngemäß anzuwenden. 6Bei Arbeitnehmern, für deren Sachbezüge durch Rechtsverordnung nach § 17 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch Werte bestimmt worden sind, sind diese Werte maßgebend. 7Die Werte nach Satz 6 sind auch bei Steuerpflichtigen anzusetzen, die nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen. 8Die oberste Finanzbehörde eines Landes kann mit Zustimmung des Bundesministeriums der Finanzen für weitere Sachbezüge der Arbeitnehmer Durchschnittswerte festsetzen. 9Sachbezüge, die nach Satz 1 zu bewerten sind, bleiben außer Ansatz, wenn die sich nach Anrechnung der vom Steuerpflichtigen gezahlten Entgelte ergebenden Vorteile insgesamt 44 Euro im Kalendermonat nicht übersteigen.
(3) 1Erhält ein Arbeitnehmer auf Grund seines Dienstverhältnisses Waren oder Dienstleistungen, die vom Arbeitgeber nicht überwiegend für den Bedarf seiner Arbeitnehmer hergestellt, vertrieben oder erbracht werden und deren Bezug nicht nach § 40 pauschal versteuert wird, so gelten als deren Werte abweichend von Absatz 2 die um 4 Prozent geminderten Endpreise, zu denen der Arbeitgeber oder der dem Abgabeort nächstansässige Abnehmer die Waren oder Dienstleistungen fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet. 2Die sich nach Abzug der vom Arbeitnehmer gezahlten Entgelte ergebenden Vorteile sind steuerfrei, soweit sie aus dem Dienstverhältnis insgesamt 1 080 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen.
() Fußnote § 8: Zur Anwendung vgl. § 52 Abs. 23c