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Überschuldung - Erstellung der Überschuldungsbilanz

Bilanzierung [ Stand: 13.08.2019 ]
Autor: Ulrike Fuldner, Dirk J. Lamprecht
Quelle: none
Im zweiten Teil der Reihe zur Überschuldung erklären Ulrike Fuldner und Dirk J. Lamprecht den ersten Schritt der zweistufigen Überschuldungsermittlung: Die Erstellung der Überschuldungsbilanz.

1. Schritt (exekutorisches Element): Erstellung der Überschuldungsbilanz

Es wird eine Sonderbilanz (Überschuldungsbilanz ist eine Stichtagsbilanz) aufgestellt, in der die Vermögenswerte und Schulden zu Veräußerungswerten (Liquidation der GmbH wird unterstellt) unter Aufdeckung der stillen Reserven angesetzt werden. Übersteigen danach die Vermögenswerte die Schulden liegt noch keine rechtliche Überschuldung vor.

Handelsrechtliche Bilanzierungsgrundsätze (Ansatz und Bewertung) finden bei der Überschuldungsbilanz keine Anwendung, auch wenn Ausgangspunkt in der Praxis die Handelsbilanz ist, man also u. a. die Gliederungspunkte gem. § 266 HGB „abarbeiten“ muss.

Nicht benötigtes Vermögen soll mit den Einzelveräußerungskosten angesetzt werden (zügiger Verkauf unterstellt, keine Verschleuderung!). Unter Umständen sind Schätzwerte (Auktionator) heranzuziehen. Die betriebsspezifischen Wiederbeschaffungskosten sind die Obergrenze bezüglich des notwendigen Betriebsvermögens.

Alles, was wirklich zu Geld zu machen ist, muss aktiviert werden! Das Vorsichtsprinzip gilt analog – also auch in der Handelsbilanz nicht erfasste Vermögenswerte.

§ 266 – Gliederung der Bilanz
(1) Die Bilanz ist in Kontoform aufzustellen. Dabei haben große und mittelgroße Kapitalgesellschaften (§ 267 Abs. 3, 2) auf der Aktivseite die in Absatz 2 und auf der Passivseite die in Absatz 3 bezeichneten Posten gesondert und in der vorgeschriebenen Reihenfolge auszuweisen. Kleine Kapitalgesellschaften (§ 267 Abs. 1) brauchen nur eine verkürzte Bilanz aufzustellen, in die nur die in den Absätzen 2 und 3 mit Buchstaben und römischen Zahlen bezeichneten Posten gesondert und in der vorgeschriebenen Reihenfolge aufgenommen werden.
(2) Aktivseite
A.
Anlagevermögen:
I.
Immaterielle Vermögensgegenstände:
1
Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte;
2
entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten;
3
Geschäfts- oder Firmenwert;
4
geleistete Anzahlungen;
II.
Sachanlagen:
1
Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken;
2
technische Anlagen und Maschinen;
3
andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung;
4
geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau;
III.
Finanzanlagen:
1
Anteile an verbundenen Unternehmen;
2
Ausleihungen an verbundene Unternehmen;
3
Beteiligungen;
4
Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht;
5
Wertpapiere des Anlagevermögens;
6
sonstige Ausleihungen.
B.
Umlaufvermögen:
I.
Vorräte:
1
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe;
2
unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen;
3
fertige Erzeugnisse und Waren;
4
geleistete Anzahlungen;
II.
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände:
1
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen;
2
Forderungen gegen verbundene Unternehmen;
3
Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht;
4
sonstige Vermögensgegenstände;
III.
Wertpapiere:
1
Anteile an verbundenen Unternehmen;
2
sonstige Wertpapiere;
IV.
Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks.
C.
Rechnungsabgrenzungsposten.
D.
Aktive latente Steuern.
E.
Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung.
(3) Passivseite
A.
Eigenkapital:
I.
Gezeichnetes Kapital;
II.
Kapitalrücklage;
III.
Gewinnrücklagen:
1
gesetzliche Rücklage;
2
Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen;
3
satzungsmäßige Rücklagen;
4
andere Gewinnrücklagen;
IV.
Gewinnvortrag/Verlustvortrag;
V.
Jahresüberschuß/Jahresfehlbetrag.
B.
Rückstellungen:
1
Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen;
2
Steuerrückstellungen;
3
sonstige Rückstellungen.
C.
Verbindlichkeiten:
1
Anleihen davon konvertibel;
2
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten;
3
erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen;
4
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen;
5
Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel;
6
Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen;
7
Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht;
8
sonstige Verbindlichkeiten, davon aus Steuern, davon im Rahmen der sozialen Sicherheit.
D.
Rechnungsabgrenzungsposten.
E.
Passive latente Steuern.
§ 249 – Rückstellungen
(1) Rückstellungen sind für ungewisse Verbindlichkeiten und für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu bilden. Ferner sind Rückstellungen zu bilden für
1
im Geschäftsjahr unterlassene Aufwendungen für Instandhaltung, die im folgenden Geschäftsjahr innerhalb von drei Monaten, oder für Abraumbeseitigung, die im folgenden Geschäftsjahr nachgeholt werden,
2
Gewährleistungen, die ohne rechtliche Verpflichtung erbracht werden.
(2) Für andere als die in Absatz 1 bezeichneten Zwecke dürfen Rückstellungen nicht gebildet werden. Rückstellungen dürfen nur aufgelöst werden, soweit der Grund hierfür entfallen ist.

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